auf  melaten   


in köln gibt es eine überaus traurige stätte, deren adresse die aachener straße 204 ist.

    
                   

wir schreiben das jahr 1627.
auf beschluss des hohen erzbischöflichen gerichts wird hier am 19. mai katharina henoth als hexe verbrannt; im jahr darauf ereilt mindestens zwölf weitere frauen dieses gar schröckliche schicksal.


inzwischen ist das dritte jahrtausend angebrochen und dieses gelände ist schon seit geraumer zeit längst und vor allem zur letzten ruhestätte der kölner prominenz geworden.


die rede ist vom heutigen melatenfriedhof, dessen name auf eine ableitung des französischen begriffs "malade" zurückgeht, was so viel wie krank bedeutet. das areal lag damals außerhalb der stadtmauer und einigen quellen zufolge wurden dort zeitweise auch an unheilbaren infektionen erkrankte mitbürger "ausgesetzt".

dem betrachter mag die obige zusammenstellung von bildanimationen zunächst gewiss recht pietätlos erscheinen, denn wer verbindet den gang über einen friedhof schon mit dem gedanken an ein paar kölsch und anderen schönen dingen des lebens!

bei uns auf melaten ist das anders, denn hier kommt es zuweilen vor, dass bei einer beisetzung selbst mitten im sommer am grab karnevalslieder gesungen werden und die trauergäste dem letzten wunsch des verstorbenen folgend in clownskostümen dem verblichenen das letzte geleit geben.  

                 

auf diesem friedhof gibt es wie vermutlich sonst nirgendwo auf der welt ein sogenanntes "karnevalsviertel". hier findet man die gräber von vielen unvergessenen karnevalisten. steht ein echter kölner vor einer dieser grabstätten, überkommt ihn ein gefühl, welches nur schwer oder im einzelfall auch gar nicht zu beschreiben ist. bei den engsten angehörigen überwiegt ganz sicher nach wie vor die trauer.

 anders verhält es sich bei dem besucher, welcher den verstorbenen vorwiegend "nur" von seinen werken her kennt. auch ihm stehen mitunter die tränen in den augen, doch handelt es sich dabei eher um tränen des glücks, - ja sogar der dankbarkeit.

 in diesem "veedel" auf melaten vermischen, - nein verbinden sich die vermeintlichen gegensätze von karneval und aschermittwoch, von geburt und tod sowie von freud` und leid` zu einer geradezu harmonischen einheit. 


wenden wir uns aber nun einigen dieser menschen auf melaten zu, welche sich und allen kölnern ein denkmal gesetzt haben und ohne deren lebenswerk unser karneval nie so berühmt und (wenn man weiß, wo) nie so gemütlich geworden wäre wie er es heute ist:


willi ostermann

(1876 -1936)

 

 


willi ostermann hat kurz vor seinem tod das wohl schönste aller kölschen
lieder geschrieben, nämlich "heimweh noh kölle":

 ... wenn ich su ahn ming heimat denke un sin d`r dom su vör mir ston,
mööch ich tirek op heim ahn schwenke, - ich mööch zo foß noh kölle jonn ...

unvergessen sind auch seine vielen anderen lieder:

"däm schmitz sing frau is durchjebrannt",
"och, wat wor dat fröher schön doch in colonia",
"die winands hätt nen haas im pott",
"kutt erop, bei palms, do is de pief kapott".
 


 


jupp schmitz

(1901 - 1991)

 

tony steingass

(1921 - 1987)


 


jupp schmitz sang das von hans jonen komponierte lied
 "am aschermittwoch ist alles vorbei"
und andere wunderschöne lieder
wie zum beispiel
"es ist noch suppe da",
"wir kommen alle, alle in den
himmel" oder
"wer soll das bezahlen, wer hat
das bestellt?"

 


tony steingass wurde mit
seinem steingass-terzett berühmt.
drei seiner schönsten lieder
 sind
"hurra, hurra, der liebe jung
is widder da",
"mir rigge mit däm essel op
d`r drachenfels" und
"der schönste platz ist immer
an der theke".

 

 

   
horst muys

(1925 - 1970)


jupp schlösser

(1902 - 1983)


hans jonen

(1892 - 1958)


horst muys war bis zum
jahre 1961 bassist im
eilemann-trio.

danach begann er eine
solokarriere und sang
sich mit seinem einzigen
großen erfolg
"ne besuch im zoo"
für immer
in die herzen
aller kölner. 
 
jupp schlösser
schuf in zu-
sammenarbeit
mit gerhard
jussenhoven
"die hüsjer bunt
vom aldermaat",
"dat glockespill
vum rathussturm"
sowie das
weinlied
"kornblumenblau".
hans jonen war der gründer
der künstlervereinigung
"die muuzemändelcher".

später schuf er den text des liedes
"am aschermittwoch ist
alles vorbei", welches durch den vortrag
von jupp schmitz
noch heute am karnevalsdienstag
aus köln nicht
mehr wegzudenken ist.


 


willy millowitsch

(1909 - 1999)

 


willy millowitsch war weniger komponist und sänger, sondern einer der berühmtesten volksschauspieler kölns. sein millowitsch-theater befindet sich unter der jetzigen leitung seines sohnes peter nach wie vor auf der aachener straße, also ganz in der nähe seiner letzten ruhestätte auf dem melatenfriedhof.  

ab und zu hat er auch lieder gesungen. die bekanntesten sind wohl "schnaps, das war sein letztes wort" sowie das rührselige "ich bin ene kölsche jung".

sein "etappenhase" war übrigens das erste theaterstück, welches im oktober 1953 jemals im deutschen fernsehen live übertragen wurde. 
 

 

 möget ihr alle ruhen in frieden! in den herzen der kölner werdet ihr ewig
  leben und ob es euch nun passt oder auch nicht: so richtig in ruhe lassen werden wir euch nie!    


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