brauhauserlebnisse  


kommt der kölnreisende nach stunden- oder gar tagelanger anfahrt endlich in der domstadt an, so hat er natürlich zunächst einmal hunger und durst. auf die an einen einheimischen gerichtete frage, welches lokal man ihm denn in der nähe des bahnhofs und somit auch des doms empfehlen könne, wird dieser ihm dann vermutlich raten: "jo, wenn se ens jet typisch kölsches esse welle, dann jonn se am beste do hingen zum früh oder zum sion!" - früh und sion - das sind nur zwei der vielen traditionsreichen kölner brauhäuser in unserer stadt, aber es gibt noch viele andere wie z.b. gaffel, päffgen oder auch "de malzmüll". die malzmühle am heumarkt eignet sich aufgrund der vielen abgetrennten räume vor allem für gruppen. zudem zeichnet sich dieses lokal durch das hauseigene malzmühlen-kölsch aus.

nach wie vor ein geheimtipp ist das oder besser gesagt "der lommerzheim" in der nähe des deutzer bahnhofs. hierbei handelt es sich mitnichten um ein heim, sondern um eine kölsche kultkneipe, die nach dem namen seines inzwischen verstorbenen besitzers und köbes hans lommerzheim benannt und immer noch für die größten koteletts weit und breit berühmt ist. mehr dazu ist in dem kapitel "der lommerzheim-kult" nachzulesen.

    

beim "lommi" op d´r schäl sick

gleich, in welches brauhaus der besucher auch immer geht, in jedem falle erscheint sofort ein mann in blauem hemd und brauner oder schwarzer lederschürze und stellt ihm und allen anderen am tisch hockenden gästen mit der rhetorischen frage "kölsch?!" ein gefülltes 0,2 liter-glas unseres edlen nationalgetränks vor die nase. und wenn es dann ein gast wagt, stattdessen ein wasser zu bestellen, kommt prompt die nicht ganz ernst gemeinte frage: "sull ich üch och noch seif un e handdooch metbrenge?" - soll ich ihnen auch noch seife und ein handtuch mitbringen?

 

dieser mann ist natürlich der kellner, der schlicht und einfach "köbes" heißt und von den gästen gefälligst auch so angesprochen werden möchte. auf die frage, was es denn zu essen gibt, wird er in aller regel antworten: "luur doch op de fooderkaat, du doof!"

der begriff "fooderkaat" ist kölsch für speisekarte! spätestens jetzt wird es für gäste, die nicht aus unserer region kommen, problematisch, denn die speisekarte ist natürlich auf kölsch geschrieben. schon manch einer wählte in der irrigen annahme, ein halbes hähnchen serviert zu bekommen, das gericht "halve hahn", erhielt jedoch nur ein roggenbrötchen mit holländer käse, scharfem senf und ...

... ein weiteres glas kölsch! ja, die sache mit all den nie bestellten kölschgläsern - nur in reiseführern und für fremdlinge "kölner stangen" genannt- wiederholt sich so lange bis der besucher seinen bierdeckel oben auf das leere glas legt. erst dann weiß der köbes, dass der gast kein kölsch mehr haben und in aller regel bezahlen möchte.         

zu jeder jahreszeit immer sehr beliebt sind in unseren brauhäusern zum beispiel mettbrötchen mit zwiebeln. eine andere spezialität sind die rievkooche, also die reibekuchen, die in einer kölschen weetschaff stets zusammen mit einer scheibe schwarzbrot sowie einer kleinen glasschüssel serviert werden, in der sich apfelkompott befindet.

   

rievkooche - frisch us d´r pann  un wie bei d´r mamm

und in den monaten, die auf -er enden, gibt es miesmuscheln auf rheinische art, also mit viel zwiebeln, gemüse und einem lorbeerblatt. üblicherweise besteht in unserer domstadt das gefäß aus einem schwarzen kochtopf und die ganz normale beigabe ist im gegensatz zu der darstellung auf dem bild wie schon bei den reibekuchen eine scheibe schwarzbrot. statt messer und gabel bringt der köbes bei diesem gericht aber nur einen suppenlöffel mit. denn die rheinischen miesmuscheln essen wir kölner mit den fingern, indem wir mit der schale der ersten muschel den inhalt der nächsten herauspflücken, dann die geleerten schalen in einem zweiten kessel ablegen und ganz am schluss die verbleibende gemüsesuppe auslöffeln.    

ja, und dann gibt´s in jedem echten kölner brauhaus natürlich "himmel un ääd"! - himmel und erde? darunter versteht man hier nicht nur äpfel und kartoffepüree. zwar haben beide zutaten diesem echt kölschen gericht dereinst seinen namen gegeben, doch die eigentliche delikatesse besteht in der wahrhaft grandiosen kombination mit gebratener blutwurst und viel "öllisch", also zwiebeln! 

während eines besuchs in einem kölschen brauhaus kann es gut passieren, dass urplötzlich -auch mitten im sommer- eine gruppe kostümierter und musizierender menschen in dem lokal erscheint und einem geburtstagskind ein ständchen bringt. dass dabei geschunkelt wird und auch alle anderen gäste am tisch mit einbezogen werden, versteht sich bei uns in colonia ganz von selbst!  

also auf jeden fall bis zum ende bleiben und mitschunkeln!


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