- das erschröckliche gesicht -


wie ein augsburger chronist und briefmaler des mittelalters berichtet, trug sich zu cöln am rhein am 26. januar des 1571. jahres nach der geburt unseres erlösers und seligmaches am firmament ein gar schröckliches ereignis zu, welches wahrhaftig einen jeden, der es mit eigenen augen erblickt hatte, in angst und schrecken versetzte.

         

was war geschehen? - an diesem denkwürdigen 26. januar erschienen zwischen acht und zwölf uhr mittags plötzlich drei sonnen und drei regenbogen am himmel. der überlieferung nach verwandelten die regenbogen die sonnen in blut.

auch viele weitere seltsame zeichen wie wundergeburten und andere "unerhörte dinge" kündigten den untergang der welt an, doch dieses gesicht (veraltet für erscheinung) stand "bey einer halben stund" und nahm danach ein ende.

fast allen kölnern schien nun klar, dass dies nur eine warnung des allmächtigen sein könne, unser sündliches leben von stund an zu ändern, um nicht für alle ewigkeit dem verderben ausgeliefert zu sein.

fast allen, außer    diesem mann!

denn es war kein anderer als unser tünnes aus knollendorf, der diesen vermeintlichen fingerzeig des himmels als eine der üblichen apokalypsen entlarvte, die alle jahre wieder verbreitet werden. die welt ist anno 1571 nicht untergegangen und die drei regenbogen erwiesen sich als ganz normale luftspiegelungen, während sich die drei sonnen als faulen zaubertrick eines gewissen david kupferfeld herausstellten.   

viele jahrhunderte später brachten die bürger ortsschilder an den toren der stadt an, um der nachwelt für alle zeiten kund und zu wissen zu tun, dass hier eine neue welt beginnt.      


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