der dicke pitter     


gestatten, dass ich mich vorstelle: ich bin der dicke pitter, also auf gut deutsch der dicke peter oder besser noch auf kölsch d´r decke pitter. wenn mich meine weniger beleibten freunde aus nah und fern unter lautem getöse anrollen hören, heißt es stets: "dat kann jo nur ens widder d´r decke pitter sin!"


meine vorgängerin war die kaiserglocke, welche offiziell "gloriosa" hieß und von 1878 bis 1918 genau dort hing, wo ich mich heute austoben darf. doch im volksmund wurde "die ruhmreiche" in den gerade einmal vier jahrzehnten ihrer aktiven laufbahn stets "die große schweigerin" oder auch die "stumme von köln" genannt. denn sie war von anfang an eine totale versagerin. ihr schöpfer andreas hamm brachte es vom ersten guss anno 1874 bis zum aufhängen der glocke am 7. august 1878 nicht zustande, den gewünschten ton zu treffen. und am pfingstsamstag anno 1908 stürzte gar der klöppel der gloriosa plötzlich und unerwartet in den glockenstuhl. na, so etwas könnte mir ja nie im leben passieren; das dachte ich mir jedenfalls!

      

1874: die gloriosa, auch kaiserglocke genannt, zusammen mit andreas hamm


nun aber wieder zurück zu mir: längst schon bin ich als d´r decke pitter zu einem kölschen markenzeichen geworden, obwohl ich am 5. mai 1923 im thüringischen apolda in der nähe von erfurt gezeugt wurde. mein vater hieß heinrich ulrich und war glockengießer von beruf. über meine mutter weiß ich nichts, bin mir jedoch sicher, dass es sich um eine äußerst korpulente dame gehandelt haben muss. 

denn ob ihr´s mir nun glaubt oder nicht: ich bin 3 meter 20 groß, habe einen bauchumfang von 3 meter 22 und bringe 24.000 kilo auf die waage! im november 1924 zog ich nach köln um, wo ich von der eingeborenen bevölkerung geradezu begeistert empfangen wurde:


am 30. november 1924 wurde ich dann von unserem damaligen erzbischof karl joseph kardinal schulte auf den namen peter getauft, denn unsere hohe domkirche zu köln am rhein ist unter dem offiziellen namen "kathedral- und kapitelskirche st. peter" dem heiligen petrus geweiht.
 

und damit ich auch in 4711 jahren meinen namen nicht vergesse, hat der kölner bildhauer heinrich renard kurz nach meiner geburt auf meinen bauch die geschichtsträchtigen worte tätowiert, - nein, ich meine natürlich eingraviert:

a
st. peter bin ich genannt, schütze das deutsche land,
geboren aus deutschem leid, ruf ich zur einigkeit.
a
 

so war ich von anfang an zu höherem geboren und es war meine bestimmung, im kölner dom die besagte kaiserglocke von 1874 zu ersetzen, welche 1918 eingeschmolzen worden war, um waffen für das finale des ersten weltkriegs herzustellen. seit dem jahre 1924 schwebe ich hoch oben im südturm unseres doms. in meinem alter muss man natürlich seine stimme schonen und so singe ich nur an hohen feiertagen und natürlich beim jahreswechsel zu silvester. aber wenn ich dann erst einmal singe, dann hört man mich noch aus mehreren kilometern entfernung! ja, ich bin die größte freischwingende glocke auf unserem planeten und ich wohne im mit abstand allerschönsten dom der christenheit.


doch selbst die schlagkräftigste kirchenglocke bleibt von alterskrankheiten auf dauer nicht verschont und so fiel ausgerechnet mir just am dreikönigstag anno 2011 im hochamt wie aus heiterem himmel mein "bestes stück" ab; na ihr wisst schon, was ich meine! ich rede nur äußerst ungerne darüber, doch dieses unglück war nun mal geschehen und ich glaubte schon, mein letztes stündlein habe geschlagen: 

    

ich ohne köppel - was für eine schmach!


aber ich fand ich einen chirurgen aus pfinztal in der nähe von karlsruhe, der mir zu einem neuen klöppel verhalf. und als ein jahr vergangen war, setzte dieses implantat erstmals am 7. dezember 2012 meinen bauch wieder in verzückende schwingungen. 

wer mich besuchen möchte, möge gefälligst zu mir auf den dom klettern, aber wer mich nur klingen hören will, braucht lediglich auf diese glocke zu klicken:    

- euer peter     der große -


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