- der kölsche genitiv -


über all die eigentümlichkeiten unserer kölschen sprache wurden und werden immer noch so viele bücher geschrieben, dass sie vermutlich eine kleine bibliothek füllen könnten. daher möchte ich mich hier auf eine einzige linguistische spezialität der eingeborenen beschränken, nämlich den kölschen genitiv, zuweilen ziemlich unkölsch auch "wemsing-genitiv" genannt.

der begriff "wemsing" oder treffender gesagt "wäm sing" ist kölsch für "wem seiner?", wem seine, wem ihre und so weiter. natürlich müsste es stattdessen "wessen" heißen, doch der gemeine kölner pflegt den zweiten fall der hochdeutschen sprache in aller regel zu ignorieren und umgeht ihn mehr oder weniger ungeschickt durch eine an einen verstümmelten dativ erinnernde sprachliche vergewaltigung, - eben durch unseren kölschen genitiv.


auf die uralte auf unseren ostermanns willi zurückgehende kölsche frage

wäm sing frau es     durchjebrannt?

antwortet man hier schlicht und einfach: däm schmitz sing frau es avvjehaue!


wie jämmerlich, um nicht zu sagen jottserbärmlich hört sich dagegen doch die übersetzung ins hochdeutsche an! "wessen frau ist durchgebrannt?" - "die frau von herrn schmitz ist fortgelaufen!" - nein, da ist ja überhaupt keine musik drin und das leid von der frau ihrem mann kommt auf deutsch nicht einmal ansatzweise zum tragen.


hier in der domstadt sagt man konsequenterweise auch nicht "die nase des tünnes ist aber rot" oder gar "tünnes´ nase ist aber rot", sondern "däm tünnes sing nas es ävver rut".

un dat es däm jecke      tünnes sing rut nas.

die von den bläck fööss viel besungene tochter käthe der fiktiven kölschen familie meier ist hier in colonia nur als "et meiers kättche" bekannt. wir fragen uns in diesem ausnahmefalle jedoch nicht "wäm sing rädche es dat?", sondern "wäm si rädche es dat?" wer bis hierhin alles aufmerksam verfolgt hat, kennt nun auch bereits die korrekte kölsche antwort:    

 dat es däm meiers      kättche si rädche!


unser kölscher genitiv klingt nicht nur erheblich musikalischer als die bekanntermaßen harte deutsche sprache, sondern ist zudem auch nach herzenslust erweiterbar. in einem ihrer lieder haben die musiker unserer höhner dieses phänomen nahezu auf die spitze getrieben:

däm rievkoochebudebesitzer sing frau ihre blues


| zurück zum inhalt |