der lommerzheim-kult 


lommerzheim, - das ist eigentlich nur ein name wie schmitz, müller oder meier. aber bei uns in köln ist dieser name längst zu einem synonym für kneipe, kölsch, koteletts und kult, ja sogar für ein ganz klein wenig kultur geworden. gemeint ist eine ungefähr 50 jahre alte wirtschaft im rechtsrheinischen stadtteil deutz, genauer gesagt in der siegesstraße schräg gegenüber dem finanzamt.

bis zum 31. dezember 2004 war hier, abseits der geschäfte und nur für insider zu finden, ab 17 uhr mehr los als in manch einer kneipe in der kölner altstadt.

    

das haus mit der nachkriegsfassade macht nicht nur von außen einen völlig verwahlosten eindruck. es hat wohl auch von innen nur selten einen handwerker gesehen. überall riecht es muffig und die toiletten sind nur über den hinterhof zu erreichen.

   

wie konnte es dennoch dazu kommen, dass gerade diese wirtschaft den ruf einer kult-kneipe erlangte? und warum ist gerade über "den lommerzheim" so viel geschrieben worden, sei es in ungezählten reiseführern oder sei es in dem 1997 erschienenen lommerzheim-buch "kleines glück op kölsch"? - niemand wird je dieses geheimnis bis ins letzte lüften!

manche sagen, es läge an den riesigen koteletts oder an dem umwerfenden "diät-teller", welcher außer dem teller noch aus fritten, bratwurst, einem wahrhaft gigantischen kotelett, gekochtem schinken und drei spiegeleiern besteht. andere meinen, nirgends schmecke das päffgen-kölsch so lecker wie beim "lommi".

lommi, - das ist bzw. das war natürlich der wirt, hans lommerzheim, der mit seiner frau annemie von 1959 bis Ende 2004 hinter der theke stand.

hans u. annemie    lommerzheim    

lommi sprach nicht viel, sorgte aber ständig für nachschub, während annemie in der küche brutzelte.

   

am 31. dezember 2004 machte lommie (74) seine kneipe aus altersgründen zu. mit "dem lommerzheim" verlor köln ein urgemütliches steinchen aus dem bunten mosaik, aus welchem sich unsere stadt zusammensetzt.

    

wir kölner sagen nur: "danke lommi - un maach et joot!"

der kölner express berichtet in seiner ausgabe vom 3. januar 2005:

unser lommi konnte seinen redlich verdienten ruhestand leider nicht lange genießen, denn am 28. juni 2004 wurde er in seinem urlaub in südtirol durch einen herzinfarkt jäh aus dem leben gerissen.   

aber wirklich tot ist bekanntlich nur der, der für immer vergessen ist! nach lommis abschied von unserer kleinen welt bemühten sich die kölner wirte dirk holzmann und jürgen walters darum, diese kultkneipe in lommis sinne weiterzuführen. alles sollte so bleiben, wie es war und als neuen namen für lommis kneipe hatten sich die beiden schon "lommizil" ausgedacht. aber annemie, lommis witwe, verhinderte dies leider durch eine einstweilige verfügung. nun ja, vielleicht war das ja lommis wille. wie es auch immer kommt, - wir müssen nicht nur, sondern wir sollten auch die entscheidung der familie lommerzheim in jedem falle akzeptieren!

so wie es jetzt im november 2005 aussieht, gibt es aber einen neuen anlauf, diese traditionskneipe doch noch zu erhalten: rudolf päffgen, besitzer der kölner privatbrauerei päffgen und ehemaliger köbes von lommi, möchte das lokal unter dem alten namen "lommerzheim" übernehmen. bei der übernahme soll bis auf wenige, kleine renovierungsarbeiten alles so erhalten bleiben wie es war. das letzte wort aber hat annemie! - bitte, sag ja! 


inzwischen schreiben wir das jahr 2006, genauer gesagt den 1. mai. annemie hat ja gesagt und handwerker sind angerückt in der siegesststraße.

in kürze wird das lokal wieder eröffnet. rudolf päffgen hat die kultkneipe gekauft und wird unserem lommie ein denkmal setzen. die alte fassade sowie der gastraum mit seiner patina werden erhalten bleiben und auch der name lommerzheim. im wesentlichen werden nur die küche und die toiletten umgebaut. was sich außerdem ändern wird, ist der wirt und die kölschsorte, welche mit sicherheit päffgen vom fass heißen wird.  


seit mitte märz 2008 ist es endlich soweit: die kultkneipe ist frisch renoviert, die fast schon legendären schnitzel sind so riesig wie eh und jeh und der neue wirt ist frank glitscher.


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