die äpfelchen des heiligen hermann 


in köln am rhein trug sich im 12. jahrhundert eine gar merkwürdige begebenheit zu, welche einem kölner knaben namens hermann später zu ruhm und ehre verhelfen sollte. dieses gottesfürchtige kind wuchs nach seiner geburt um das jahr 1150 in unmittelbarer nähe von sankt maria im kapitol, der größten der zwölf kölner romanischen kirchen, in der nähe des heumarkts auf. einen nachnamen hatte hermann noch nicht, denn solche namensanhängsel bürgerten sich in deutschen landen erst zwischen dem 12. und 15. jahrhundert ein.

st. maria im kapitol

der legende nach legte der kleine hermann bei jedem seiner täglichen kirchgänge an der dortigen marienstatue für das jesuskind ein äpfelchen nieder, das ihm seine eltern eigentlich für die pause in der schule mitgegeben hatten. doch er zog es stattdessen vor, all diese äpfel dem christkind zu schenken. ob unser lieber hermann dies nur getan hat, weil er vielleicht überhaupt keine äpfel mochte, ist nicht überliefert, wohl aber, dass er schon in jungen jahren einen ungewöhnlich vertrauten umgang mit maria und ihrem kindlein pflegte.

eines tages, unser kleiner hermann stand wieder einmal gesenkten hauptes, mit gefalteten händen und seinem äpfelchen vor dieser statue, begab es sich, dass sich unsere gottesmutter zu ihm herunterbeugte und sein geschenk für ihr kind annahm. dieses wunder wird deshalb im volksmund auch "die apfellegende" genannt.

die madonnenstatue in st. maria im kapitol

auch heute nach fast 900 jahren kommen immer noch viele menschen nach st. maria im kapitol, um dem jesuskind ein äpfelchen zu schenken. oft sind es dieser früchte so viele, dass der küster einige von ihnen aus platz- und anderen gründen (!) entfernen muss.

doch wieder zurück zu unserem hermann: im alter von nur zwölf jahren trat er in das kloster steinfeld bei kall in der eifel ein. seine mitbrüder gaben ihm ob seiner marienverehrung schon früh den beinamen joseph, ein vorname, der damals bei christen äußerst ungewöhnlich war, weil er zu dieser zeit aus ehrfurcht nur dem ehemann der mutter maria zustand.

jahre später wurde hermann gar eine mystische vermählung mit der gottesmutter nachgesagt. für viele gelehrte gilt er wegen all seiner vielen schriften und hymnen zu ehren mariens als einer der größten mystiker des mittelalters. so wurde aus unserem kleinen hermann vom kölner heumarkt nach seiner heiligsprechung am 11. august 1958 durch papst pius XII. der heilige hermann joseph von steinfeld. 

teil einer holzskulpur des hermann joseph im kloster steinfeld (13. jahrhundert)

hermann joseph arbeitete unter anderem auch in vielen frauenklöstern in der umgebung von kall wie zum beispiel im zisterzienserinnenkloster hoven bei zülpich. bei seiner letzten reise dorthin soll er in todkrankem zustand mit seinem wanderstab und mit den worten ein viereck in den sand gezeichnet haben: "hier werdet ihr mich begraben!", woraufhin er der legende nach genau an dieser stelle nur wenige tage später, vermutlich am 7. april anno 1241, in hohem alter verstarb.  

klosterkirche marienborn in hoven bei zülpich

seine sterblichen überreste befinden sich heute in einem sarkophag inmitten der basilika des steinfelder klosters, der hauptstätte seines wirkens. auf bitten der dem salvatorianerorden angehörigen mönche stimmte unser damaliger kölner erzbischof konrad von hochstaden kurz darauf einer überführung von hermanns leichnam von hoven in das kloster steinfeld zu. 

kloster steinfeld bei kall in der eifel - foto: stock / hans blossey

die grabplatte mit der alabasterfigur dieses monuments wurde im jahre 1732 angefertigt; der übrige teil des sarkophags besteht aus urfter marmor und stammt aus dem jahre 1701.    

der sarkophag des heiligen hermann joseph im kloster steinfeld, - oben auf dem sims ein äpfelchen !

heute ist das kloster steinfeld längst zu einem wallfahrtsort geworden. zu unserem heiligen hermann joseph, der als schutzpatron der kinder, der uhrmacher sowie der werdenden mütter gilt, pilgern alljährlich tausende christen nach steinfeld, doch ihre fürbitten werden natürlich nur dann erhört, wenn man außer einem frommen herzen auch ein äpfelchen mitbringt!


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