die bastei 


basteien, also bastionen und andere anlagen zur stadtbefestigung gab und gibt es nicht nur in köln zuhauf. einige stammen noch aus römischer zeit und andere aus napoleonischen tagen. viele entstanden unter preußischer herrschaft und wieder andere aus der kaiserzeit.   

doch wenn der gemeine kölner von "der" bastei spricht, dann hat er nicht etwa irgendeines dieser bollwerke im sinn, sondern einzig und alleine ein karussellartiges gebilde, welches sich seit 1924 nördlich des doms an der linksrheinischen uferpromenade befindet.

- die bastei, wie sie leider      niemals ausgesehen hat -

zwar hat sich dieses rondell nie im kreis bewegt und doch dreht sich noch heute vieles um dieses eigenartige bauwerk. aber beginnen wir ganz vorne: es war so um das jahr 1891, als unser kaiser wilhelm II. dort diesen "kaponniere" errichten ließ, genauer gesagt an der stelle, wo heute der theodor-heuss-ring im norden der stadt endet und im rechten winkel auf das nach konrad adenauer benannte teilstück der rheinuferstraße trifft.

der noch heute vorhandene sockel der bastei am konrad-adenauer-ufer

doch zu was in aller welt sollte dieser nach osten ausgerichtete wehrturm überhaupt nützlich sein? von hier aus hätte man allenfalls schiffe auf dem rhein treffen und versenken oder den heutigen rheinpark auf der rechten rheinseite beschießen können.

so beauftragte konrad adenauer, welcher damals oberbürgermeister der stadt köln war, den architekten wilhelm riphahn damit, auf den noch vorhandenen sockel dieser festungsanlage ein der damaligen kunst- und architektonischen mode entsprechendes expressionistisches gebäude zu setzen. wie zu lesen ist, soll unser konni zu ihm gesagt haben: "bau dat ding, riphahn, aber machen se’s schön!"

    

wilhelm riphahn, 1889-1963

also machte sich unser baumeister, dem die kölner nach dem 2. weltkrieg auch das heutige opernhaus am offenbachplatz zu verdanken haben, an die arbeit und im oktober des jahres 1924 wurde dann feierlich "die bastei" eröffnet, ein nobelrestaurant, welches viele jahre lang den ruf genoss, das eleganteste speiselokal im ganzen (rhein-) land zu sein.

im krieg wurde wie fast jedes gebäude in köln auch unsere bastei mit ausnahme ihrer massiven grundfesten zerstört. doch unser wilhelm  persönlich ließ sie in den fünfziger jahren wieder aufbauen. 

     

seit dem jahre 1997 ist dieses lokal leider nicht mehr für jedermann zugänglich, sondern nur noch nach voranmeldung von erlauchten gruppen für private veranstaltungen zu mieten. es findet sich einfach kein pächter mehr, der eine übernahme der bastei für den alltagsbetrieb als profitabel erachtet. unsere frühere dombaumeisterin barbara schock-werner regte deshalb im mai 2013 in einem ausführlichen artikel einer hiesigen tageszeitung eine neubelebung samt außengastronomie an. 

och, wat wor dat fröher    schön doch in colonia!

eine andere dame hingegen ist im kopf schon längst viel weiter und denkt über völlig neue nutzungsmöglichkeiten der kölner bastei nach: es handelt sich um maike lausen, welche als absolventin der fakultät für architektur der fachhochschule köln bereits 2011 eine arbeit über "die alte bastei in köln. - umnutzung und erweiterung zu einem hamam" vorgelegt hatte.         

maike lausen mit ihrem modell der bastei samt erweiterungsbauten zu einem orientalischen dampfbad
(quelle: ksta vom 2.8.2011, - bild: worring)

maike lausen geht mit ihrem plan völlig neue wege, hat noch fantasie und macht schluss mit dem dummen geschwätz von der "alternativlosigkeit". ob ihr recht mutiges modell von einer neuen bastei der weisheit letzter schluss ist, sei dem urteil des betrachters anheimgestellt und ob es jemals realisiert wird, bleibt der klugheit unseres stadtrats vorbehalten. 


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