die edelweißpiraten  


dies ist die denkwürdige geschichte von jungen menschen aus köln, düsseldorf und dem ruhrgebiet, die im dritten reich den mut hatten, anders als die anderen zu sein und schon wenige jahre später dafür sowie "für volk und vaterland" ihr leben lassen sollten.

wie alles      begann ...

 ... und wie es endete:

was spätestens im jahre 1939 mit einer gruppe von nicht angepassten und zunächst wohl politisch recht unbedarften jugendlichen "wandervögeln" begann, sollte am 10. november 1944 im kölner stadtteil ehrenfeld an der ecke schönsteinstraße / venloer straße mit der hinrichtung von dreizehn seiner mitglieder enden, dessen jüngstes damals gerade einmal sechzehn jahre alt war. dieser jugendliche war bartholomäus schink, auch barthel schink genannt. ihm zu ehren wurde die damalige hüttenstraße in köln-ehrenfeld inzwischen in bartholomäus-schink-straße umbenannt. zusammen mit ihm erhängt wurden gustav bermel, peter hüppeler, heinrich kratina, wilhelm kratz, johann krausen, roland lorent, josef moll, johann müller, franz rheinberger, adolf schütz, günther schwarz sowie hans steinbrück.     

barthel      schink

die sogenannten edelweißpiraten waren außer in köln auch mit ungezählten mitgliedern in düsseldorf und im gesamten ruhrgebiet, insbesondere in dortmund vertreten. die zahl all derer, die letztlich durch die nazionalsozialisten gehängt wurden, ist nicht bekannt.

doch wer waren diese jungen menschen, deren geheimes erkennungszeichen ein aus horn geschnitztes edelweiß unter dem kragenaufschlag war? woher stammt der name dieser vereinigung und warum sind die edelweißpiraten auch heute noch umstritten? hier soll es in erster linie um die köln-ehrenfelder gruppe um gertrud koch gehen sowie um die 2005 erfolgte rehabilitierung durch den damaligen kölner regierungspräsidenten jürgen roters. 

gertrud koch    alias mucki

auf dem ersten foto ganz oben auf dieser seite ist mucki koch als dritte von rechts zu sehen.
 

einige gruppen der edelweißpiraten im südlichen ruhrgebiet gaben sich als decknamen die bezeichnung eines nordamerikanischen indianerstamms. so wurden die edelweißpiraten von der hitlerjugend pauschal als "navajos" bezeichnet. sie ähnelten in einigen merkmalen der früheren und durch "die partei" im jahre 1936 verbotenen sogenannten bündischen jugend, übernahmen jedoch nie deren hierarchie. bewusst hoben sie sich von der  einheitsuniform der hitlerjugend durch andere halstücher, kurze lederhosen, skihemden und wanderschuhe ab, - manchmal auch durch das tragen von totenkopfringen und mit nägeln beschlagenen gürteln.

wohl nicht alles war    ganz so edelweiß!      

heutzutage würde man jugendliche mit dieser kleidung als punker oder gar als neo-nazis bezeichnen. doch nazis waren sie  ganz gewiss nicht! es soll aber hier nicht verschwiegen werden, dass der einschlägigen literatur zufolge die köln-ehrenfelder edelweißpiraten am ende mit waffengewalt attentate auf funktionäre der nationalsozialisten und sabotageakte gegen das regime ausübten.  

an dieser stelle drängt sich geradezu ein vergleich der edelweißpiraten mit klaus schenk graf von stauffenberg, aber auch mit der "weißen rose" auf. - doch wer mag schon beurteilen, welche von all denen und vielen anderen regime-gegnern helden, kriminelle oder verrückte waren! - in jedem falle waren es andersdenkende und keine menschen, die dem führer im gleichschritt hinterhertrabten.   

der name "edelweißpiraten" setzt sich aus dem edelweiß, - einem der vielen kennzeichen der bündischen jugend sowie aus dem letzten teil des namens der früheren kittelbachpiraten zusammen, einer nachweislich rechtsradikalen gruppe aus düsseldorf, welche sich später zum einen teil der hitlerjugend und zum anderen hitlers sturmabteilung anschloss.

über viele jahrzehnte gerieten die edelweißpiraten entweder in vergessenheit oder wurden diskriminiert bis dann jean jülich und später viele mitglieder der gruppe sowie zeitzeugen, historiker, heimatforscher und sänger dieses kapitel unserer stadtgeschichte unermüdlich wieder aufarbeiteten. wer heute zum bahndamm nach ehrenfeld kommt, entdeckt bei genauem hinsehen nicht nur diese im jahre 1986 angebrachte gedenktafel, ...

... sondern auch eine reihe von wandmalereien und graffitis, welche an eine zeit erinnern, die wohl der schandfleck unserer geschichte schlechthin war.      

      

der oben erwähnte jean jülich wird fast immer in einem atemzug mit den köln-ehrenfelder edelweißpiraten genannt. dass er mit ihnen sympathisierte und sie mit sprengstoff belieferte, gilt als erwiesen. jean jülich gehörte der köln-sülzer gruppe an, doch nach eigenen aussagen "hatte ich nicht direkt etwas mit ihnen zu tun". trotz der inzwischen überaus umfangreichen literatur ist es heute jedoch im einzelfall nicht mehr möglich, genau herauszufinden, welche beweggründe damals letztlich wen zu welchem handeln veranlasst haben.

anno 2008 ehrte die stadt düsseldorf gertrud koch, jean jülich, wolfgang schwarz sowie fritz theilen für "außerordentliche aktivitäten im sinne des kritischen und widerständigen geistes des dichters heinrich heine" mit der heine-büste und im jahre 2011 händigte der kölner oberbürgermeister jürgen roters aufgrund ihres einsatzes als zeitzeugen den damals noch fünf lebenden mitgliedern der köln-ehrenfelder edelweißpiraten hans fricke, gertrud koch, peter schäfer, wolfgang schwarz und fritz theilen das bundesverdienstkreuz am bande aus. als ehrengast war der bereits 1991 mit diesem orden ausgezeichnete jean jülich eingeladen.

in seiner ansprache beschrieb der kölner liedermacher rolly brings die edelweißpiraten wie folgt: "noch jung, noch klein, de botz voll stein, trotzdem han se dem hitler jet jedresse. se schwomme jäje d’r brunge strom, se wore pänz, dat darf mer net verjesse." (noch jung, noch klein, die hose voller steine,  trotzdem haben sie hitler was gehustet. sie schwammen gegen den braunen strom, sie waren kinder, das darf man nicht vergessen.)

rolly    brings

schon im jahre 1984 waren jean jülich sowie michael jovy und posthum auch bartholomäus schink in der holocaust-gedenkstätte yad vashem in jerusalem aufgrund ihrer großen hilfsbereitschaft gegenüber juden als "gerechte unter den völkern" geehrt worden. 2004 kam die geschichte um barthel schink unter dem filmtitel "edelweißpiraten" in die kinos. 

jean jülich,      gest. 2011

wer zählt die menschen, kennt die namen, die damals all ums leben kamen!


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