die legende vom kunibertspütz


dass die fleißigen kölner kinder schon vor langer zeit aus ungezählten bauklötzen unseren gotischen dom gebastelt haben, weiß wohl ein jeder. aber nur den wenigsten ist bekannt, wo unsere nachkömmlinge eigentlich herkommen. andernorts erzählt man den lieben kleinen auf die frage, woher sie stammen, die geradezu alberne geschichte vom klapperstorch. doch das ist nur die halbe wahrheit!

denn zumindest hier in köln kommen alle neugeborenen aus ein- und demselben brunnen, genauer gesagt aus dem legendären kunibertspütz, der sich siebzehn meter unter dem chor der romanischen basilika sankt kunibert befindet. 

st. kunibert, die jüngste der zwölf romanischen kirchen kölns

diese legende berichtet glaubhaft, dass die noch ungeborenen kinder dort tief unter der erde schon viele monate vor ihrer geburt solange mit der mutter gottes spielen und von ihr mit brei gefüttert werden, bis ihre mütter zum brunnen kommen, um sie abzuholen. und ein altes kölner lied belegt diese tatsache auf eindrucksvolle weise:


us däm ahle kunebäätspötzge
kumme mer all ohn hemp un bötzge.
jo, dä storch, dä hat uns heimjebraat
un bei der mamm en et bett jelaat.
 

(aus dem alten kunibertsbrunnen kommen wir alle ohne hemd und höschen,
ja, der storch, der hat uns nach hause gebracht und unserer mutter ins bett gelegt.)

einem kinderlosen ehepaar raten aufgeklärte kölner noch heute:
"ehr mööt ens in d´r kunibäätspütz luure jonn!"

(ihr solltet eimal im kunibertspütz nachgucken!) 

so ähnlich muss dieser brunnen im mittelalter ausgesehen haben,

denn es steht geschrieben, dass es dort tief unter dem erdboden nicht im geringsten finster und feucht, sondern geradezu paradiesisch schön ausgesehen haben soll. selbst unfruchtbare frauen pilgerten bei vollmond mitten in der nacht zum kunibertspütz, denn der genuss von gerade einmal einem einzigen becher wasser aus diesem brunnen war eine garantie für baldigen kindersegen. betrug die einwohnerzahl der stadt köln anno 1600 gerade mal 75.000 menschen, waren es im jahre 1735 bereits 90.000. dies ist weder eine legende noch ein märchen, sondern eine tatsache!

auch den älteren geschwistern ihrer erneut schwangeren mutter wird bei uns im ach so heiligen köln beileibe nichts vorgemacht, sondern die reine wahrheit unverblümt ins gesicht gesagt: "ach: das ist nur eine dicke beule. die hat sich die mama doch geholt, als sie sich vor einigen wochen am kunibertspütz gestoßen hat! habt ihr das denn schon vergessen? in ein paar tagen sieht man nichts mehr davon."   

und das ist der heilige mann, dem wir letztlich diese erkenntnis zu verdanken haben:  

der heilige kunibert von köln,  * um 590 in der nähe der mosel, † um 663 in köln


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