die sage vom strunder bach   


es ist wohl schon ein paar hundert jahre her, als sich am strunder bach, welcher am rande des heutigen stadtteils köln-dellbrück fließt, ein gar merkwürdiges geschehen ereignete.

damals hieß dieser teil des heutigen vorortes im osten kölns einfach nur strunden
und war ein kleines von wäldern umgebenes dorf.

an einem finsteren novembertage, vermutlich am 11. november anno 1567 oder 1568, beschloss der kölner kaufmann hans anton schmitz, dessen eisenwarenhandlung in der domstadt zuvor wegen hoher schulden zugrunde gegangen war, sich für den rest seines lebens auf das einsame land zurückzuziehen und mietete über eine kleine zeitungsanzeige im kölner stadt-anzeiger ein kleines haus in strunden, welches einer vornehmen strunderin namens freifrau von der mühlen gehörte. am tage der übergabe machte er sich mit seinem pferdefuhrwerk und all seinem darob gelagerten hab und gut von köln aus auf den weg nach strunden. da er dieses haus aber trotz unermüdlichen suchens nicht finden konnte, fragte er einen alten bauern kurz vor einbruch der dunkelheit nach dem wege.

der bauer meinte es gut mit dem fremden und warnte den reisenden
mit den deutlichen worten:

"sie wissen, guter mann, dass dieses haus am strunder bach liegt?! auch sollten sie wissen, was ich ihnen damit sagen möchte: die tochter der eigentümerin, also der herrin von der mühlen, ist im alter von nur sechs jahren bei einem gar schröcklichen unfall in diesem bach ertrunken, worob die freiherrin in ihrem schmerz über den bach und den gesamten strunder wald einen fluch kommen ließ! wie sich die leute hier in der gegend hinter vorgehaltener hand erzählen, ist seitdem der wald bei tage ziemlich klein, aber nach einbruch der dunkelheit wird er riesengroß. und wenn jemand nach sonnenuntergang in den wald hinein geht, wird etwas furchtbares geschehen! es ist schon spät, guter mann, und ich muss jetzt sehen, dass ich zu meinem hof komme, denn die sonne steht schon fast am horizont!"

hans anton schmitz lachte nur, denn nach der wegbeschreibung des bauern konnte das haus höchstens nur noch fünf minuten entfernt sein. als er in den wald hineinging, waren die bäume ziemlich klein und der weg war klar zu erkennen. aber je dunkler es wurde und je weiter er in den wald hineinging, desto größer und dichter wurde der wald, - ganz so, wie es der bauer geweissagt hatte.

schon nach 20 minuten wusste unser kölner kaufmann nicht mehr, wo er war und beschloss, die nacht im wald zu verbringen, um nach sonnenaufgang erneut einen versuch zu machen, das haus zu finden. er zündete ein wärmendes feuer aus reisigzweigen an,

   leerte schnell noch zwei gläser kölsch aus seinem rucksack  

und schlief danach gleichermaßen ängstlich wie zuversichtlich ein. denn am nächsten tag werde nach der verheißung des bauern der wald ja wieder überschaubar sein.

bei tagesanbruch wurde er wach und tatsächlich waren die bäume des waldes jetzt wieder so klein wie am späten nachmittag des vortages und auch der weg war wieder klar und deutlich zu erkennen. auf der suche nach dem haus traf er erneut den bauern und erzählte ihm, was er erlebt hatte. aber der bauer schien nicht gerade sonderlich erstaunt und meinte nur:

"die letzte person, die vor ihnen eine nacht in diesem wald verbracht hat, ist kurz darauf an einer seltsamen krankheit gestorben!"

                                        

hans anton schmitz fragte den bauern nach dem namen des unglücklichen, woraufhin der bauer ihm entgegnete:

"wenn ich mich recht erinnere, war er wie sie wohl auch, ein verfluchter
kaufmann aus köln!"


diese sage oder legende beruht auf  peter hainings "irish tales of terror" und meiner fantasie! ich habe diese irische gruselgeschichte bis zur unkenntlichkeit verändert und auf köln und den vorort köln-dellbrück übertragen, in welchem ich lebe. es ist das wesen von sagen und legenden, dass sie vom weitererzählen, verändern, weglassen und hinzufügen frei erfundener elemente sowie von der verschiebung von ort und zeit leben. unsere legendäre stadt köln ist nun einmal eine sagenhafte stadt und es gibt nicht den allergeringsten grund,
warum nicht auch ich ein wenig dazu beitragen sollte! 


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