die ungezählten kölner veedel

wie in jedem größeren ort, so gibt es auch in colonia mehr oder wenige viele stadtteile. bei uns in köln nennen die einwohner diese aber nicht stadtteile oder stadtviertel, sondern nur "veedel". jedoch bestehen zwischen einem stadtbezirk, einem stadtteil und einem veedel zuweilen recht große unterschiede. um diese herauszufinden, befragen wir heute unseren veedels-experten professor doktor albert schnäuzer aus köln-nippes.

guten tag herr schnäuzer!

die stadt köln zählt auf ihrer offiziellen internetseite neun stadtbezirke mit insgesamt 86 stadtvierteln auf, darunter auch so schwammige und im volksmund völlig ungebräuchliche begriffe wie altstadt-nord oder neustadt-süd. was halten sie davon?  

nun, nicht besonders viel, denn     diese einteilung ist willkürlich.

wie meinen sie das?

irgendwo müssen unsere stadtmütter und stadtväter ja grenzen ziehen, doch köln besteht bei licht und erst recht bei dunkelheit betrachtet ganz sicher aus weit mehr als hundert veedeln. 

und welche sind das genau, wenn wir nachhaken dürfen?

das kann man so genau nicht sagen, weil jeder stadtbezirk und jeder veedelsname nur als obergriff für viele kleinere einheiten steht. ich bin ja offiziell im kölner stadtteil nippes zu hause, aber nicht irgendwo in nippes, sondern im schnuckeligen agnesviertel. und darauf lege ich großen wert!

denn nicht jeder, der hier in nippes wohnt, hat auch das glück, im agnesviertel zu leben! die zweite herzkammer von nippes pulsiert ein paar meter weiter südlich auf der neusser straße und dann gibt´s hier ja auch noch das "sechzigveedel" sowie ganz in der nähe im stadtteil köln-riehl den zoo und die flora. im kölner zoo leben vermutlich mehr tiere als menschen in der kölner altstadt! doch ich wohne halt eben nicht im zoo, sondern in unmittelbarer nähe der agneskirche. überhaupt werden sehr viele unserer veedel aus auf der hand liegenden gründen von unserer bevölkerung nach katholischen gotteshäusern benannt wie zum beispiel agnesviertel, georgsviertel, gereonsviertel, kunibertsviertel, martinsviertel, pantaleonsviertel oder das severinsviertel, das von den älteren bürgern nach wie vor nur "et vringsveedel" genannt wird.

ja klar, - benannt nach einem sehr beliebten kölner kardinal!

mein gott, was sie nicht alles wissen! der gute, allerdings auch sehr umstrittene kardinal frings schrieb sich jedoch vorne nicht mit "v", sondern mit "f" und hat mit dem heiligen severin aus unserem vringsveedel so gut wie nichts zu tun.

doch ich sollte ihnen ja was über unsere ungezählten kölner veedel erzählen. hier muss man wiederum zwischen noch kleineren pulsierenden adern unterscheiden, deren letzte keimzellen unsere "büdchen" sind; diese büdchen sind die "sozialen netzwerke" unserer stadt; sie befinden sich wie einst die wachtürme des römischen limes in abständen von nur wenigen hundert metern und hier erfährt ein jeder über jeden alles, was in unmittelbarer nähe seiner wohnung noch vor wenigen minuten geschehen ist und morgen geschehen wird. dagegen sind die nachrichten im radio, im fernsehen und im internet sowie auch unsere drei tageszeitungen so lahm wie mit enten beladene bummelzüge!       

sie haben gerade "soziale netzwerke" gesagt. sind denn die büdchen auch so anonym?

eben nicht! genau das gegenteil ist der fall! hier kennt man sich noch persönlich und hier hilft man sich. das hat mit facebook, twitter und konsorten nicht das allergeringste zu tun. über unsere veedel und ihre eigenarten könnte man gewiss eine kleine bibliothek zusammentragen. aber da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll!

wo sie möchten, herr professor!

na gut! nehmen wir das nach einem pariser stadtteil benannte "kwartier latäng", also das bunte sogenannte belgische viertel rund um den brüsseler platz, in welchem viele meiner studenten wohnen. ganz in der nähe befinden sich das vormals berüchtigte friesenviertel und das bereits erwähnte stadtviertel rund um unsere romanische kirche sankt gereon, inzwischen nach einem versicherungskonzern auch gerlingviertel genannt. ein wenig weiter nördlich schließt sich das schillernde eigelsteinviertel an, dessen bewohner jedoch einfach nur von sich sagen, dass sie "am eijelstein" zu hause sind. ganz ähnlich verhält es sich bei den bürgern aus dem stadtviertel köln-ehrenfeld im kölner westen: wenn sie einen alten ehrenfelder fragen, wo er denn wohnt, wird er ihnen mit sicherheit zur antwort geben: "ich kumme us em ihrefeld".

zum schluss darf ich als letztes beispiel noch den ältesten kern des bezirks "altstadt-süd" anführen, nämlich das viertel rund um den griechenmarkt. auch diese bezeichnung ist nur ein oberbegriff für mehrere veedel.

und für welche, herr schnäuzer?

all diejenigen menschen, die rund um den griechenmarkt leben, wissen fein säuberlich zwischen dem mauritiusviertel, dem cäcilienviertel oder dem viertel rund um den alten wasserturm in der kaygasse nr. 2 zu unterscheiden. und wer kennt schon noch das alles andere als betuchte wollweberviertel in der nähe der nach dem zweiten weltkrieg unter die erde verlegten bäche, wo dereinst kinderarbeit das normalste der welt war?! 

gibt es denn auch beispiele für die rechte rheinseite?

aber klar!

doch da fragen sie am besten meinen kollegen hubert heinzelmann von d´r schäl sick. er und seine fleißigen freunde von den heinzelmännchen sind ja bekanntlich aufgrund der neugierde einer schneidersfrau dereinst leider aus der domstadt vertrieben worden. seitdem lebt herr heinzelmann zur freude der dort ansässigen bevölkerung irgendwo im rechtsrheinischen nobel-veedel dellbrück. ich geb ihnen mal seine telefonnummer. aber um seine ausführungen ganz genau verstehen zu können, studieren sie vorher bitte die heinzelmännchensage. die muss hier irgendwo ganz in der nähe nachzulesen sein.

danke herr professor und alles gute!

ihnen auch!

nur wenige minuten später bei herrnhubert heinzelmann in dellbrück:

hier hubert heinzelmann!   womit darf ich dienen?

guten tag herr heinzelmann,

wir sind durch herrn professor doktor schnäuzer auf sie aufmerksam worden. es geht um die stadtviertel im kölner osten. können sie uns da weiterhelfen?

professor schnäuzer? ach ja, sie meinen sicher den einstein von nippes! nennen sie mich einfach "bäätes". dat es kölsch för hubert. - ävver künne se övverhaup kölsch schwaade?   

wir versuchen, sie zu verstehen, herr bäätes.

doch zurück zu unserem anliegen: welche veedel habt ihr denn bei euch im kölner osten? da  gibt es doch nur so winzige dörfer wie gremberg, höhenhaus, holweide, kalk, ostheim, poll, vingst und so weiter. oder sehen sie das etwa anders?

enä, wat för ne quatsch! he op d´r schäl sick jeiht ald et sünnche op, wenn die lück em fringsveedel un in amerika noch am schlofe sin. ävver wie ich merke, woren se noch nie bei uns in dellbröck. dat es doch kei dörp! bei uns jit et mih minsche als wie in bad münstereifel un im vatikanstaat zosamme!     

ah ja! - doch was gibt es bei euch denn überhaupt zu sehen? 

ich merke schon, dass sie mich überhaupt nicht verstehen. also versuche ich es lieber wieder auf hochdeutsch. köln-dellbrück ist bekanntlich die heimat unserer paveier, also dieser musikalischen handwerker, die früher einmal im linksrheinischen und im schweiße ihrer angesichter die straßen pflastern mussten. erst seitdem sie hier bei uns wohnen, geht es ihnen besser. und dann haben wir ja natürlich auch noch unseren uhu; kennen sie den denn wenigstens?  

natürlich! das ist doch dieser alleskleber, aber kommt der denn überhaupt aus dellbrück?

herr, wirf hirn vom himmel! sie haben ja überhaupt keine ahnung von der materie! ich meine natürlich die karnevalsgesellschaft uhu mit ihrem berühmten schnäuzerballett. 

ja genau, benannt nach dem großen albert schnäuzer, oder?

mein gott: jejen de dummheit kämpfen selbst de jötter verjebens! jetzt werfen sie aber auch wirklich alles durcheinander! sowohl albert schnäuzer, albert schweitzer als auch albert einstein haben mit unserem schnäuzerballett absolut nix zu tun! aber was war eigentlich nochmal ihre frage? 

wir wollten eigentlich nur wissen, ob es auch im kölner osten veedel gibt, ...

... welche im offiziellen verzeichnis der stadtverwaltung nicht aufgelistet sind, also so eine art unterviertel oder so.

haben sie "unterviertel" gesagt?! diese anspielung auf das linksrheinische rotlichtmilieu verbitte ich mir! bei uns in dellbrück wohnt nur die crème de la crème von colonia! in unserem beschaulichen veedel leben die einheimischen in den ortsteilen alt-dellbrück, hagedorn, strunden und thurn, die früher nicht im besitz der kölner erzbischöfe, sondern den grafen von berg unterstellt waren.

also leibeigene und bettelarme bauern, die überhaupt nicht zu köln gehören?

sagen sie das nicht! zwei relativ neue veedel haben wir inzwischen ja auch, nämlich das heideviertel im dellbrücker norden und dann im osten das edle viertel thielenbruch. "im thielebruch" wohnen keine bauern, sondern äußerst betuchte dellbrücker und menschen aus dem linksrheinischen, welche wie ich ja auch nach dellbrück ausgewandert sind, um sich vom diktat der beileibe nicht immer beliebten kirchenfürsten zu befreien. außerdem sind wir vermutlich der einzige kölner stadtteil, der eine eigene kölsche veedelshymne vorzuweisen hat. ich sing mal vor: 

"jo, mir vun dellbröck, mir sin en eije aat,    mir sin kein buure un kein lück us d´r stadt.

mir han e hätzje, dat es vull sunnesching un schöner wie en dellbröck kann et nirjends sin ..."

das ist ja hochinteressanant, herr bäätes! was können sie uns denn noch so erzählen?

ich kann ihnen zum schluss nur noch sagen, dass ich als heinzelmann nicht auf die welt gekommen bin, um die  fragen neugieriger reporter zu beantworten, sondern auch nach der vertreibung aus dem paradies, also der gegend rund um den kölner dom, immer noch den braven bürgern hier in dellbrück die arbeit abzunehmen! also halten sie mich bitte nicht weiter davon ab!   

danke für das gespräch, herr bäätes!

mäht   nix!

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