eine kölner brücke erzählt ...


es muss wohl so um das jahr 310 n. chr. gewesen sein, als mich mein
römischer vater konstantin in die welt setzte.

schon damals verband ich köln (im bild rechts) mit dem rechtsrheinischen kastell deutz (auf der linken bildhälfte), wobei meine aufgabe zu dieser zeit jedoch eher strategischer art war. aber zu dieser zeit war ich ja noch ein kind und wusste noch nicht zwischen gut und böse zu unterscheiden.

während meines langen lebens musste ich viele über mich gehen und vieles über mich ergehen lassen; immer wieder musste ich im laufe meiner geschichte von vorne anfangen, aber immer wieder bin ich auf die beine gekommen. auf meinem buckel kutschierten ungezählte reiche kaufleute der hanse und auf meinem buckel krochen ungezählte todgeweihte opfer der großen pest. ich sah fröhliche menschen auf meinem rücken von ufer  zu ufer schreiten und ich sah verzweifelte menschen, die von meinem rücken in den rhein sprangen.

unter meinem bauch schwammen ungezählte rheinkähne von basel bis nach holland und unter meinem bauch sah ich, wie die steine für unseren dom vom siebengebirge aus auf schiffen nach köln gebracht wurden.   

im november 1822 erhielt ich ein modernes kleid aus holz, ...

... aber 100 jahre später kamen dann schon die hängebrücken in mode und ich  musste mich wieder einmal anpassen. eingeweiht wurde meine tolle neu-konstruktion am 15. juli 1915. wenig später durfte ich den ersten straßenbahnen helfen, köln und deutz miteinander zu verbinden. noch vor 1600 jahren wäre das völlig undenkbar gewesen.


 

in meiner neuen rüstung sollte ich die ewigkeit überdauern, aber kaum 30 jahre später, genauer gesagt am 2. märz 1945, lag ich ziemlich geknickt im rhein. das waren wohl die schrecklichsten stunden meines lebens ...

... und wohl auch die schrecklichsten stunden im leben der kölner.

aufgegeben habe ich aber nie. heute bin ich unter dem namen "deutzer brücke" bekannt. meine freunde nennen mich einfach "düxer bröck". sicher bin ich heute zwar nicht mehr die schönste unter den inzwischen sieben brücken meiner stadt, dafür aber wohl diejenige, welche am meisten zu erzählen hat.

          

hier der kölsche text des wunderschönen liedes, welches
mir die bläck fööss gewidmet haben:


- Kölsche Bröck -

Ich ben en kölsche Bröck,
övver die half Kölle jöck,
ich hald minge Puckel hin
für üch he am Rhing.

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Ich ston schon en lange Zick
immer an d`r selve Stell,
eimol loch ich em Wasser drin,
do wor et endlich still.
Ming Knoche wollten att lang nit mieh,
doch mer braat mich widder en de Hüh.
Ich ben en kölsche Bröck,
övver die half Kölle jöck,
ich hald minge Puckel hin
für üch he am Rhing.


Der Rhing spölt mer ming Fööss schoen blank,
sulang ich mich erinnere kann,
die Schiffe kitzle mer hösch der Buch,
domet ich jet ze laache han.
Off jenoch deit mer der Rögge wieh,
un des ovends kann ich nit mieh.
Ich ben en kölsche Bröck,
övver die half Kölle jöck,
ich hald minge Puckel hin
für üch he am Rhing.


Un wenn dann em Fröhjohr,
et Wasser örntlich steich,
dann denk ich bei mir,
do leeve Jott,
jetz krij ich och noch en naaße Fott.
Ich ben en kölsche Bröck,
övver die half Koelle jöck,
ich hald minge Puckel hin
für üch he am Rhing.



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