- erzbischof anno II. -


wir kölner hatten ja schon viele erzbischöfe und kardinäle und mit den meisten von ihnen haben wir uns auch ganz gut verstanden. doch einer von ihnen fiel völlig aus dem rahmen. und das war anno II. - dieser edle kirchenfürst regierte unsere stadt von 1056-1075.

anno II.   anno_baldachin.jpg (15383 Byte)   von köln

anno II. erblickte um das jahr 1010 im schwäbischen altstreußlingen bei ehingen das licht der welt. er stammte aus niedrigem adel und im laufe der zeit diente er sich bis zum kölner erzbischof empor und stiftete den kölnern einige romanische kirchen wie zum beispiel st. georg  am waidmarkt. aber auch sonst soll er ein überaus wohltätiger mensch gewesen sein. ja es heißt, dass er sogar blinden zu neuer sehkraft verholfen haben soll, aber wie die folgende gar grausame geschichte zeigt, wohl auch umgekehrt!    

nach seinem tod am 4.12.1075 wurde er in der von ihm gegründeten benediktinerabtei auf dem michaelsberg bei siegburg beigesetzt und natürlich ist er ob seiner verdienste längst heilig gesprochen worden. aufgrund der nun folgenden und historisch belegten geschichte über sein zerwürfnis mit der kölner bürgerschaft verfügte er kurz vor seinem tod, dass seine sterblichen überreste nicht in der domstadt am rhein, sondern in seinem von ihm gegründeten lieblingskloster auf dem michaelsberg beigesetzt werden sollten.

der anno-schrein in   annoschrein.jpg (1647 Byte)   der siegburger abtei

und dies hatte seinen grund! denn anno 1074 hat sich unser anno einen folgenschweren lapsus geleistet: zum osterfeste war der bischof von münster bei ihm in köln zu gast und die beiden haben vermutlich tüchtig einen drauf gemacht. das ist ja auch nicht weiter schlimm, denn einen messwein in ehren oder auch zwei oder drei kann niemand verwehren! doch dann kam der ostermontag und mit ihm nahte am abend jenes denkwürdigen tages die stunde des abschieds. hilfsbereit wie unser anno nun einmal war, rief er für seinen kumpel aus münster sofort bei der kölner taxizentrale an, aber dieser anschluss war -wie an feiertagen üblich- leider immer besetzt. und weil es ja damals weder schienenfahrzeuge noch fluggeräte gab, "organisierte" anno für die heimfahrt seines freundes aus münster auf die schnelle ein schiff.

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nur war es nicht sein eigenes schiff, sondern das eines kölner handelskaufmanns, welcher zudem über diese nacht- und nebelaktion überhaupt nicht informiert war. der kaufmann war bitterlich erzürnt, doch anno ließ nicht mit sich reden und beschlagnahmte stattdessen eines seiner drei handelsschiffe.

anno II. kapert    anno_II.jpg (144995 Byte)   ein rheinschiff.

und von stund an nahm das unheil seinen lauf: 

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unsere kölner vorfahren solidarisierten sich mit dem rheinschiffer und es kam zu einem in die stadtgeschichte eingegangenen aufstand, bei welchem die bürger voll der wut den palast des ungeliebten erzbischofs stürmten.

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nun wurde es für den erzbischof so langsam unangenehm:

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er rettete sich in den alten dom, wo ihm über einen unterirdischen gang durch eine geheime öffnung in der angrenzenden stadtmauer die flucht aus der stadt gelang. dieses loch ist noch heute im volksmund als anno-pforte oder auch "annopötzje" bekannt. wenig später tauchte er in neuss am niederrhein auf, wo er ein heer zusammenstellte und mit diesem zurück nach köln zog, um bittere rache an der kölner bürgerschaft zu nehmen.

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die rädelsführer sowie ungezählte mitläufer dieses aufstands wurden entweder ermordet, mit einem glühenden schwert geblendet oder in ketten gelegt und die überlebenden mussten "barfuß und in wollene kleider gehüllt" zur buße beim erzbischof  in der  kirche sankt georg antreten.

die kölner bürger hatten eine herbe niederlage erlitten und wie  lampert von hersfeld in seiner chronik weiter berichtet, "war die stadt fast völlig verödet und schauriges schweigen herrschte auf den leeren straßen". wie es heißt, verließen an die 600 kaufleute die stadt.

erst mit der berühmt gewordenen schlacht von worringen im jahre 1288 im norden der stadt erkämpften sich die kölner bürger ihre unabhängigkeit von der kirchlichen obrigkeit. einer legende nach ließ anno über den türeingängen der aufrührer dieses aufstands schandmasken, sogenannte grinköpfe, auch "annoköpfe" genannt, anbringen. einige davon sind heute noch an einigen häusern in der kölner altstadt zu sehen wie z.b. am "gasthaus zum sankt peter".

grinkopf2.gif (64295 Byte)

einer anderen quelle zufolge sollten diese grinköpfe böse geister von den häusern abhalten. zum einem großen teil sind sie jedoch nur als häuserschmuck verkleidete vorrichtungen für flaschenzüge, um kölschfässer und andere wertgegenstände aus dem keller zu hieven oder eben in den keller zu versenken. unterhalb dieser grinköpfe gab es ursprünglich zu diesem zwecke stets  ein mit brettern abgedecktes kellerloch. und hier ist der heilige mann, der uns all dies eingebrockt hat:

 der herrgott       sei mit ihm!


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