ich, - johann wolfgang von goethe ...


... kam zwar nicht in köln am rhein, sondern anno 1749 als johann wolfgang goethe in frankfurt am main zur welt. beiden städten ist wie auch mir eine gewisse lebensfreude nicht abzusprechen. als advokat und ab 1775 auch als minister in weimar wurde ich im jahre 1782 in den adelsstand erhoben und hatte als staatsbeamter das privileg, frei von finanziellen sorgen viel in der welt herumreisen zu dürfen. meine besondere vorliebe galt dabei zwischen 1786 und 1788 "dem land, wo die zitronen blühen". dort in italien lernte ich eine lebensart zu schätzen, wie ich sie in dieser unbekümmertheit nördlich der alpen nur in köln am rhein genießen durfte.

hier hat mich die nachwelt im kleinformat abgebildet.

"nach golde drängt, am golde hängt doch alles. ach, wir armen!" (faust, der tragödie erster teil, 1808)

auf den nächsten beiden bildern ist der schaufelraddampfer zu sehen, welchen die köln-düsseldorfer oder kurz KD genannt, posthum im jahre 1913 für mich gebastelt hat und noch heute ungezählte reisende aus aller welt an mich erinnert:

 damals im alten gewand an der loreley ...

und heute in meinem neuen kostüm irgendwo am rhein


1824 führten mich meine wege nach köln, wo sich zu dieser zeit ein volksfest ereignete, dessen frohsinn sich niemand entziehen konnte, der zugegen war. so mischte auch ich mich unter die narrenschar:

kurz darauf, ich war wieder in frankfurt angekommen, ereilte mich die dringliche bitte, der zu folge ich "dem kölnischen karneval durch irgend eine öffentliche erwähnung ehren möge". dem kam ich natürlich gerne nach und lobte in höchstem maße die große ordnung und gelungene gestaltung des festes. in meiner abhandlung über "kunst und althertum" verglich ich den kölner karneval mit dem (damals noch nicht fertiggestellten) kölner dom, da "jedes sich selbst gleich, sich in seinem charakter organisch abschließt". ich bewunderte den humor der kölner, "den man geistreich, frey, sinnig und gemäßigt nennen kann, alle mitwirkenden und die civil- und militair-behörden, welche mit freysinniger würde die sache geschehen ließen, ordnung und zucht von ihrer seite befördernd, so daß dieses ganze excentrische unternehmen mit ungewöhnlicher wichtigkeit, ernsthaftigkeit und pracht begangen werden konnte".

am 29. januar 1825 äußerte heinrich von wittgenstein, der erste präsident des festordnenden comitées, eine einladung zum diesjährigen karnevalsfest mit dem anliegen, "durch eines liedes freundliche spende auch dem kölnischen nicht nur einen lichteren glanz für die gegenwart zu verleihen, sondern sein gedächtnis für immer dem allverschlingenden strom der vergessenheit zu entreißen". sofort griff ich zur feder und erfüllte wittgensteins wunsch. hier mein gedicht vom februar 1825:


als ich dann an 22. märz 1832 in weimar an einer lungenentzündung verstarb, sah der kölner dom übrigens noch genau so aus wie auf diesem stich aus dem jahre 1840. das stolze bauwerk wurde nach einer zweiten bauperiode am 15. oktober 1880 vollendet. schade nur, dass ich diesen tag nicht mehr erleben durfte.

"halte immer an der gegenwart fest. jeder zustand, ja jeder augenblick ist von unendlichem wert, denn er ist der repräsentant einer ganzen ewigkeit."

euer johann wolfgang von goethe


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