es gibt menschen, die man nicht so ohne weiteres in eine der üblichen schubladen oder andere kategorien unseres alltäglichen denkens stecken kann! eines dieser leider selten gewordenen exemplare war und ist heinrich böll, dem hier 30 jahre nach seinem tod ein eigenes kapitel gewidmet sein soll. 

heinrich böll, einer der ganz       großen söhne unserer stadt

heinrich böll war zeit seines lebens ein unbeugsamer kölner allererster güte. geboren am 21. dezember 1917 erblickte er in der kölner südstadt das licht der welt und verstarb am 16. juli 1985 in kreuzau bei düren. sein grab befindet sich in dem kleinen ort merten, der heute zur gemeinde bornheim im sogenannten vorgebirge gehört, also ziemlich genau dort, wo die gleichermaßen imaginäre wie legendäre knollendorfer sippschaft von tünnes und schäl, dem hänneschen und bärbelchen und wie sie alle heißen zu hause ist. - doch um es gleich vorwegzunehmen: heinrich böll war alles andere als ein clown!

      

heinrich bölls grab - entworfen von seinem sohn rené böll


1967 hatte ich im alter von 17 jahren die im nachhinein gesehen große ehre, zusammen mit einem mitschüler im auftrag unseres deutschlehrers für die schülerzeitung unserer schule, dem "gymnasium schaurtestraße", ein gespräch mit heinrich böll führen zu dürfen. doch um ehrlich zu sein: wir wussten damals kaum, wer dieser mann war, außer wie unser lehrer uns versicherte, dass er sehr "weise bücher" schrieb und sich wohl wie kaum ein anderer mit unserer ach so glorreichen vergangenheit auseinandersetzte.


wenige tage später saßen wir dann heinrich böll zwischen hoch aufgetürmten vergilbten bücher- und papierstapeln gegenüber. schnell wurde uns klar, dass wir es hier mit einem außergewöhnlichen menschen zu tun hatten, der uns mit seinem fast schon väterlich anmutenden augenaufschlag und einer höchst bemerkenswerten mischung aus humor und ernsthaftigkeit, aber auch aus traurigkeit, wehmut und verbitterung von seiner kindheit erzählte, von seiner abneigung gegen den karneval, "den die nazis ja kaputt gemacht haben" und von seiner schon damals heftigen kritik an der katholischen kirche. er verabschiedete uns nach ungefähr zwei stunden und ungezählten tassen kaffee mit den worten: "und vor allem denkt dran, kinder, - und das so lange, ihr lebt: nie wieder krieg!"

denkt dran, kinder:      nie wieder krieg!


was ich damals noch nicht wissen konnte war, dass dieser mann nur fünf jahre später im dezember 1972 in stockholm den nobelpreis für literatur erhalten sollte. an dieser stelle seien nur drei seiner bekanntesten werke erwähnt: 

- 1963:  ansichten eines clowns
- 1971:  gruppenbild mit dame
- 1974:  die verlorene ehre der katharina blum


zu seinem 65. geburtstag im jahre 1982 verlieh ihm die stadt köln nach langer öffentlicher diskussion in presse, funk und fernsehen sowie nach hitzigen debatten im kölner stadtrat die ehrenbürgerschaft. bei diesem beschluss vom 26. november des jahres 1982 ging es bei drei gegenstimmen und einer enthaltung jedoch nicht um das "ob", sondern um das "wie", also um die begründung für diese entscheidung. hintergrund war, dass es im vorfeld in der kölner CDU große bedenken gegen die charakterisierung heinrich bölls gegeben hatte, nämlich als

"mutigen verteidiger der freiheit und freien meinungsäußerung, den kritischen und engagierten beobachter
gesellschaftlicher fehlentwicklungen
"

die kölnische rundschau veröffentlichte am 11. dezember 1982 diesen recht nachdenklich stimmenden brief einer leserin:

am ende kam im hohen rat unserer stadt ein wohl nur halbherziger kompromiss zustande, über den sich viele kölner bürger wenige tage später in ungezählten leserbriefen in der lokalpresse die finger wund schrieben:     

zwischen peinlich      und dankeschön


zum schluss noch einige zitate von heinrich böll:


karneval ist vulgär, mit aller größe und allem schrecken des vulgären, aber nie frivol.

heimat ist immer noch sehnsucht nach der kindheit.

ordnung ist das halbe leben - woraus mag die andere hälfte bestehen?

köln ist nicht perfekt, aber vollkommen, - es ist vollkommen köln.

der feierabend des nichtkünstlers ist die arbeitszeit eines clowns.

nichts darf man, auch keinen krieg anfangen!


wer diesen großen sohn unserer stadt besuchen möchte, findet ihn nicht nur auf dem friedhof in bornheim-merten, sondern seit dem 10. märz 1992 auch in stein gemeißelt hoch oben im dritten obergeschoss am turm des kölner rathauses:

heinrich böll am    kölner ratsturm


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