ich, mathias weber - der fetzer


gestatten, mein name ist weber, - mathias weber! ihr könnt mich aber auch einfach nur "den fetzer" nennen. wie ich zu diesem spitznamen, nein markenzeichen kam, auf das ich übrigens mächtig stolz bin, erkläre ich euch weiter unten.  

mein leben war kurz,     aber stets aufregend!

zwar erblickte ich nicht im dunklen mittelalter in köln, sondern anno 1778 in grefrath bei krefeld das licht der welt, doch das hauptquartier meiner "firma" befand sich in den knapp zehn jahren meines wirkens mitten in köln, genauer gesagt in der schwalbengasse in der nähe des appellhofplatzes. dort flogen tagtäglich mancherlei bunte vögelein ein und aus, denn es handelte sich um das freudenhaus von "düwels trück", was auf hochdeutsch so viel wie gertrud düwel oder auch gertrud teufel bedeutet. und hier in köln machte man mir bereits im zarten alter von 25 jahren den garaus.  

aufgewachsen ohne mutter und als sohn eines recht trinkfreudigen vaters, musste ich mich schon im jugendlichen alter von nur 16 jahren ganz alleine durchs leben schlagen. und ich habe nicht nur kräftig um mich geschlagen, sondern mir auch jede menge anderer leute dinge -sagen wir mal "zu eigen gemacht"- und mir von dem erlös ein schönes, wenn auch nur kurzes leben gegönnt. zu meiner weiteren entlastung bleibt noch zu hinzuzufügen, dass ich bereits seit dem tage meiner geburt an syphilis litt, kleinwüchsig war und mir vom quecksilber schon früh die haare ausgefallen waren. wie es heißt, soll ich zudem von überaus hässlicher gestalt gewesen sein und so war es für mich beileibe nicht immer leicht, mich durchzusetzen, doch vermutlich gerade deshalb habe ich es dennoch geschafft:

was ich mir, nicht zuletzt auch zusammen mit meinen freunden von der "neusser bande" in diesen wenigen jahren so alles geleistet habe, geht auf keine kuhhaut; also fasse ich mich kurz: wir überfielen links und rechts des rheins von holland bis nach mainz fast alles, was uns in den weg kam wie zum beispiel kneipen, bauernhöfe, witwen, reisende, vorwiegend jüdische kaufleute, betuchte fabriken und im september 1796 sogar das rathaus in neuss. dies war einer meiner größten beruflichen erfolge, denn der lohn meiner arbeit am niederrhein bestand an diesem tage aus einer kostbaren kirchenfigur des heiligen quirinus, einigen wertvollen kreuzen und einer weltkugel aus purem silber. und dann war da ja noch anno 1799 unser legendärer überfall auf den zwischen köln und elberfeld verkehrenden postwagen. für dieses meisterstück wurde ich mit 13.000 reichstalern belohnt.

ja, eine meiner vielen berühmt-berüchtigten spezialitäten war das kapern von postkutschen, deren planen ich hurtig aufzuschlitzen pflegte, um mich anschließend genüsslich dem gepäck zu widmen. dieser vortrefflichen kunst habe ich den beinamen "der fetzer" zu verdanken!

nein, was war das doch einst    für eine schöne postkutsche!

ausdrücklich distanziere ich mich hiermit posthum von robin hood und anderen harmlosen möchte-gern-ganoven, welchen ja nur am erbärmlichen wohl der armen leute gelegen war. denn wenn ich schon so früh sterben musste, dann finde ich alles, was ich getan habe, auch im nachhinein rechtens. wie sagte doch schon mein zeitgenosse friedrich von schiller in seinem wilhelm tell: "der brave mann denkt an sich selbst zuerst, vertrau dir selbst und nimm dir, was du kriegen kannst!" - nein, begriffe wie gnade oder barmherzigkeit waren mir zeitlebens unbekannt. so habe ich vor den augen meiner beiden kinder meine eigene frau erschlagen, doch dies sei hier nur am rande erwähnt, da ich dererlei kleinigkeiten stets sofort zu erledigen pflegte.  

irgendwann wurde ich ob all meiner morde, überfälle und anderer missetaten mehr natürlich steckbrieflich gesucht und im juni 1802 in frankfurt am main auch gefasst. meine richter warfen mir völlig zu recht mehr als zweihundert straftaten vor -die dunkelziffer verrate ich aber lieber nicht- und so wurde mir, dem fetzer, die überaus große ehre zuteil, am 19. februar 1803 auf dem kölner alter markt die letzte öffentliche hinrichtung in köln höchstpersönlich miterlebt haben zu dürfen. - wer von euch kann das schon von sich sagen!     

nein, bereut habe ich nichts! als ich an jenem 19. februar 1803 unter großer anteilnahme der kölner bürger zur guillotine begleitet wurde, habe ich mich einfach nur darüber gefreut, dass so viele menschen nur meinetwegen in aller herrgotts früh zum alter markt in unmittelbarer nähe des doms gekommen waren. ja, wer austeilen kann, der muss natürlich auch einstecken können. dass es sich beim einstecken am ende um meinen eigenen kopf handeln sollte, ist wohl nur eine reine ironie des schicksals. wenige sekunden vor meinem letzten großen auftritt soll ich erhobenen hauptes mit einem letzten blick zum kölner dom unter dem fallbeil den anwesenden besuchern, ja meinen bewunderern zugerufen haben:  

ich habe den       tod verdient!

mehr über mich und mein jämmerliches leben ist mit klick auf die cd zu erfahren.
diese tonaufnahme verdankt die nachwelt dem wdr-5-radio in köln am rhein.

- euer mathias weber alias der fetzer -


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