katharina henot  


wir schreiben das jahr 1627. in europa tobt der dreißigjährige krieg. die menschen leiden bittere not. und als ob dies nicht schon genug sei, werden für jegliche übel auf der welt  zunehmend hexen, manchmal auch hexer und gar verhexte kinder verantwortlich gemacht, also düstere und vom satan besessene gestalten, mit welchen die obrigkeit kurzen prozess macht und sie nach langen folterqualen auf dem scheiterhaufen verbrennt.   

 


bei uns in der domstadt am rhein ist das in dieser zeit leider nicht anders. berühmt werden sollte eines fernen tages eine fromme und vornehme patrizierin mit namen katharina henot oder auch henoth, denn sie ist die einzige kölner adelige, welche dieses traurige schicksal über sich ergehen lassen muss. zur welt gekommen zwischen den jahren 1570 und 1575, wird katharina henot "auf gar schröckliche" art und weise am 19. mai 1627 auf der kölner hinrichtungsstätte, dem rabenstein, erdrosselt und anschließend verbrannt. - doch wie ist es dazu gekommen?


um dies zu ergründen, müssen wir uns wie in einer zeitmaschine wieder in die gegenwart begeben und von dort aus wiederum zurück ins schaurig-schöne mittelalter. der ort dieser unfreiwilligen einäscherung befindet sich auf dem gelände des heutigen melatenfriedhofs, dem ich an anderer stelle meiner kölnseite ein eigenes kapitel gewidmet habe. kein grabmal erinnert dort an katharina und dennoch haben die historiker inzwischen eine ganze menge über sie herausgefunden.

also, es      war so::

katharinas vater besaß eine kaiserliche postmeisterei samt einer florierenden gastwirtschaft für postkuriere. nach seinem tod brachte die tochter zusammen mit ihrem bruder hartger henot, welcher ein angesehener kölner domherr, jurist und dekan des stifts sankt kunibert war, die leiche des verblichenen heimlich vor die tore der stadt und sie täuschten vor, ihr herr papa sei gerade nur mal eben auf einer längeren dienstreise. ja, die geschwister haben sogar die unterschrift des alten henot gefälscht, damit niemand bemerken sollte, dass er tot war und seine geschäfte also überhaupt nicht mehr existierten. und von stund an nahm das unheil seinen lauf:


denn schon bald bekamen die leute wind von der sache. und ausgerechnet eine angeblich  besessene nonne beschuldigte während einer teufelsaustreibung unsere postmeisterin der hexerei. so sei katharina henot zum beispiel für die raupenplage im klarissen-kloster, für ungezählte rätselhafte todesfälle sowie für zauberei zum schaden von mensch und natur verantwortlich. auch warf sie ihr -wie später auch die gerichte- unzucht mit männern in gehobener stellung vor. aber unsere katharina hatte ja ein gutes gewissen und so kochte sie munter und fleißig ihr süppchen. 

ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich kathi henot heiß!

doch unter dem kölner bürgermeister johann bolandt ließ der rat der stadt wie ein blitz aus heiterem himmel katharina festnehmen. die überaus einflussreiche familie stellte vergeblich einen antrag auf freilassung gegen zahlung einer kaution. nachdem dieser antrag abgelehnt worden war, schaltete die familie henot den kurfürsten und später auch das erzbischöfliche hochgericht ein. doch alle bemühungen blieben erfolglos und katharina henot wurde am 19. mai 1627 nach mehrfacher folterung mit schweren verletzungen an leib und seele auf dem gelände des heutigen melatenfriedhofs durch den scharfrichter zunächst erdrosselt und anschließend verbrannt. das erwürgen vor einer verbrennung kam zu dieser zeit fast schon einer gnade gleich. doch andererseits war es nach der rechtsprechung der damaligen zeit verboten, eine hexe zu verbrennen, die wie unsere tapfere katharina bei der folterung kein geständnis abgelegt hatte. so handelte es sich im fall henot schlicht und einfach um einen kirchlich-politisch bedingten justizmord.   


auf antrag des evangelischen pfarrers  hartmut hegeler beschloss der kölner stadtrat am 28. juni 2012 einstimmig katharina henots rehabilitierung. bereits seit dem jahre 1990 kann man unsere katharina zusammen mit dem jesuitenpater friedrich spee von langenfeld im zweiten obergeschoss an der fassade des kölner ratsturm sehen. denn es war just dieser jesuit aus düsseldorf, der anno 1631 in seiner schrift "cautio criminalis" seine bedenken gegen folter und hexenvervolgung zum ausdruck brachte.

die cautio criminalis    aus dem jahre 1631

um nicht in den verdacht zu geraten, für die hexen partei zu ergreifen und somit auf der seite des bösen zu stehen, veröffentlichte friedrich spee dieses werk anonym. dennoch trug die cautio criminalis entscheidend zum ende der hexenverfolgung in deutschland bei.     


und hier geradezu versteinert die beiden seite an seite:

       

friedrich spee von langenfeld zusammen mit katharina henot am kölner ratsturm


auch die katharina-henot-straße in köln-ehrenfeld und die katharina-henot-gesamtschule im rechtsrheinischen köln-höhenhaus erinnern noch heute an diese frau, welche vor nahezu 400 jahren dem hexenwahn zum opfer fiel.  


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