köln trifft düsseldorf


rivalitäten und frotzeleien zwischen benachbarten großstädten sind bekanntlich alles andere als eine seltenheit; ja, sie sind beinahe schon ein stück urbaner kultur. auf den ersten blick scheint das strickmuster immer das gleiche zu sein: die eingeborenen der einen stadt gönnen denen der anderen nicht einmal das schwarze unter den nägeln. und doch unterliegt eine jede dieser auseinandersetzungen ganz individuellen bedingungen. schaut dann der aufmerksame beobachter ein wenig genauer hin, bemerkt er schnell, dass die vermeintlichen feinde im grunde zumeist nur gleichgesinnte, hitzköpfige brüder sind: 

ich binstärker alswies du!

auffallend oft sind es die sportvereine, in welchen animositäten zwischen städten und ganzen landesteilen ausgetragen werden. dies mag am adrenalinspiegel im eifer der gefechte liegen oder aber auch im wesen von vereinigungen überhaupt: man schließt sich zusammen und grenzt sich damit mitunter bewusst oder unbewusst gegen andersdenkende ab. bundesweit bekannt ist zum beispiel die kicker-feindschaft zwischen borussia dortmund und dem gelsenkirchener stadtteilverein schalke 04.

geradezu kriegerische züge trägt die historisch bedingte erzrivalität zwischen den beiden großen fußballvereinen im schottischen glasgow, - den rangers und den "celts". während die einen nach wie vor loyale protestantische anhänger der britischen krone sind, stehen die katholischen fans von celtic glasgow auf der seite der republik irland.


in diesem kapitel soll es aber um das ganz erheblich bessere verhältnis zwischen der großen stadt am rhein und dem weniger großen dorf an der düssel gehen. uns trennt nicht die religion, nicht die politik und außer alaaf und helau noch nicht einmal der karneval. das wenige, was uns trennt, ist für wahre lokalpatrioten naturgemäß sicher alles andere als bedeutungslos, doch die gemeinsamkeiten überwiegen bei weitem! wir pflegen eine ganz normale und harmlose beziehung zwischen nachbarn; von einer erbfeindschaft kann überhaupt keine rede sein. die behauptung, die rivalität zwischen unseren beiden städten gehe auf die schlacht von worringen zurück, entspricht trotz aller wiederholung nicht im geringsten der wahrheit! zwar besiegten damals die düsseldorfer mit der hülfe anderer armeen das heer des kölner erzbischofs, doch die senfstädter standen an jenem 5. juni anno 1288 sehr wohl auf der seite der kölner bürger, deren heer ebenfalls mit erfolg gegen den verhassten kirchenfürsten siegfried von westerburg aus der domstadt kämpfte.  

so die auseinandersetzungen zwischen den beiden rivalen am rhein denn überhaupt historisch bedingt sind, kommt als ursache allenfalls das stapelrecht der kölner aus dem jahre 1259 in frage, demzufolge ... aber das steht ja schon alles längst hier unter der rubrik "typisch kölsch" im kapitel "unser tünnes und das stapelrecht" geschrieben.

ein kölner stapelhaus am rheinufer anno 1664


im mittelalter gehörten düsseldorf und köln der hanse an und so nimmt es nicht wunder, dass  sich beide die hansefarben rot und weiß auf ihre fahnen gepinselt haben.    

         

der bergische löwe gegen die elftausend jungfrauen 

beide städte liegen -auch wenn die kölner es nicht wahrhaben wollen- am niederrhein, beide verfügen über einen internationalen flughafen, über eine universität sowie natürlich über einen fernsehturm. der rheinturm in düsseldorf mis(s)t 240,50 meter, ist erheblich eleganter, aber der colonius in köln ist um 25,50 meter höher. immerhin geht in beiden städten hier am rhein die sonne nicht unter!      

  

links der düsseldorfer rheinturm und rechts der kölner colonius

sowohl die düsseldorfer als auch die kölner sind rheinische frohnaturen, die gerne feiern, besonders im karneval. unsere nachbarn im norden erweisen in der fünften jahreszeit ihrem jan wellem die ehre und wir domstädter unserem jan von werth, wobei die betonung mit verlaub gesagt auf dem adelsprädikat "von" liegt! 

jan wellem    und    jan von werth

kräftig gefeiert wird selbstverständlich auch bei den sportlichen begegnungen zwischen den fußballrivalen fortuna düsseldorf und dem 1. fc köln sowie bei den zuweilen knochenharten eishockeyspielen zwischen den metro-stars von der deg und den kölner haien vom kec.     

die einwohner hüben wie drüben schlürfen mit vorliebe ein obergäriges gebräu, wobei sich kölsch und alt im wesentlichen durch ihre farbe unterscheiden. die folgende karikatur kann ich mir auch bei aller sympathie einfach nicht verkneifen, doch ich gelobe hiermit feierlich, fürderhin keine weiteren üblen witze über die hauptstadt unseres bundeslandes nordrhein-westfalen mehr zu verbreiten, welche anno 1814 das schier unverschämte glück hatte, zum regierungssitz der preußischen rheinprovinz erkoren worden zu sein. - fortuna lässt grüßen! 

 

dererlei schmach bleibt natürlich auf dauer nicht ungestraft! im "füchschen", einem brauhaus in der düsseldorfer altstadt, haben sadistisch veranlagte anhänger von fortuna düsseldorf bereits vor beginn der fußballsaison 2013/2014 unseren geisbock angekettet und den kölnern schon im vorfeld zwei punkte weggenommen:  

wenn auch die düsseldorfer keinen so schönen dom wie wir haben, besitzen die nachkommen der neandertaler im gegensatz zu den kölnern zumindest angeblich die längste theke der welt. und da gibt es ja außer dem unschlagbar scharfen düsseldorfer löwensenf natürlich auch noch die weltberühmten radschläger:

    

die radschläger-skulptur vor dem brauhaus uerige in der düsseldorfer altstadt

ja, fast überall in düsseldorf sind diese düsseligen turner zu finden, nicht nur auf, sondern vielleicht sogar auch unter den straßen der stadt, - also dort, wo die ratten ... aber lassen wir das und nehmen unseren nachbarn im norden nicht den senf von den deckeln:     

radschläger auf allen kanälen - oder sind das nicht etwa tünnes und schäl?

 

und hier die düsseldorfer radschläger um 1900


was die düsseldorfer von uns kölnern vor allem trennt, ist der unterschiedliche dialekt. für unrheinische fremdlinge sind die feinheiten kaum herauszuhören, doch es gibt sie und das hat nicht zuletzt etwas mit der sogenannten "benrather linie" zu tun, einer sprachgrenze, die zuweilen auch "maken-machen-linie" genannt wird. benrath ist einer der südlichen stadtteile von düsseldorf. bei einer umfrage unter zehn benrather bürgern wusste nur einer, diesen begriff richtig einzuordnen. drei der befragten tippten auf eine ehemalige straßenbahnlinie, die übrigen zuckten nur fragend mit den schultern.              

grafik: landschaftsverband rheinland


die eingeborenen nördlich dieser sprachgrenze sagen "maken" statt "machen", doch das ist nur eines von vielen anderen sprachlichen merkmalen diesseits und jenseits der grenze.  aufgrund von zuwanderung und mobilität -nicht zuletzt auch im karneval- vermischen sich der in düsseldorf ursprünglich gesprochene niederrheinische übergangsdialekt und die in köln anzutreffende form der ripuarischen mundart zunehmend miteinander, so dass man sie leider in der ursprünglichen r(h)einkultur immer seltener antrifft. trotzdem und gerade deshalb sei`s gelobt, getrommelt und gepfiffen: lang lebe der kleine unterschied!

anton früh aus köln hannes alt aus düsseldorf
  saach ens jung, wie jeiht et dir dann esu?   jut! - und wat mäks do?
  wat mer esu mäht!   och, kick ens aan!
  wann süht mer sich dann noch ens?   dat make mer.
  ich verstonn dich esu schlääch!   küttse mech mal besöke?
  jo dat; ävver loße mer flöck e kölsch drinke.   wellste mech för et läppke halde?
  ich verstonn nur bahnhoff.   dommer lieber e alt!
  e alt hann ich nit mieh.     wie, do häss kie alt mehr?
  dat alt es mir letzte wooch loofe jejange!     wie meinste datt denn?    
  do kütt ming bahn! - ich rofen dich ahn!    ja, meld` dich mal bei mech!  
  tschüss!   schöhkes!

anmerkung: "dat alt" steht in der domstadt nicht für düsseldorfer bier, sondern manchmal anerkennend
für das gemeinhin abfällige "die ahl" und bezeichnet zuweilen auch liebevoll eine lebensabschnittsgefährtin!


in diesem sinne:    do kammer nix make!


| zurück zum inhalt |