- Hans-Dieter erinnert sich an Colonia -


 
"Melköbes" Hans Kopp Erinnerungen (solange sie noch da sind )
 an meine Heimkehr und Jugendjahre
 

 
Irgendwie ist ein Teil meines Lebens -oder eher gesagt Erlebens- parallel gelaufen mit Freds Schilderung in späteren Lebensjahren.
 
Geboren in Köln-Kalk im Januar 1942, nicht weit davon entfernt, wo jetzt das Polizeipräsidium ist, früher auf dem Grundstück der Chemischen Kunstdünger-Fabrik. Für eine kurze Zeit habe ich in Köln-Brück gewohnt. Meine Großeltern, Oma geborene Sieben in der Nähe Dürens, Opa Weih aus Spesenroth im Hunsrück,  wohnten vor der Einsiedlung in Köln-Brück, in der Lindenstraße im Suterang,  neben einer Schule. Ich kann mich durch Besuche in späteren Lebensjahren noch etwas an die Wohnung erinnern, besonders an den Ausblick aus dem niedrig gelegenen Fenster auf den Bürgersteig. 
 
Memorabilia, Vorkriegsjahre meiner Mutter.
 
 

Während der Bombenangriffe und in der Nähe des Militärflughafens im benachbarten Merheim  sind 1943 meine Mutter, Tante, Großmutter und Urgroßmutter mit mir als Säugling zusammen mit Kusine nach Oberlahr in der Nähe von Flammersfeld im Westerwald gezogen. Daran, wie wir dort hingekommen sind, kann ich mich persönlich nicht mehr erinnern. Wir haben dort bis Ende des Krieges verbracht. Es gab gewisse Gründe für die Reise. Meine Familie hatte die Gelegenheit, bei einer Schwester meiner Großmutter in einem großen, 2-stöckigen und prächtigen Haus am Waldrand zu leben.
 

 
Aus Sicherheitsgründen waren wir noch etwas weiter mitten in den Wald  in ein ausgedientes Erzbergwerk gezogen. Zurückdenkend, was ich oft getan habe, war es sehr romantisch, in einem Zigeunerwagen unterzukommen.
 
Dieser "Wagen" war das Zuhause einer anderen Schwester meiner Großmutter, - ein späterer Wohnwagen für ihre Kirmes-Aktivitäten. Eine andere Schwester lebte in der Nagelschmiedgasse in Bickendorf.
 
Während der Bombenangriffe auf Köln, wenn die Luftschutzsirenen ertönten, haben wir und andere Anwohner in Oberlahr eine kurze Flucht in die horizontalen Schächte  im Berg unternommen. Aus meiner Erinnerung - und nicht aus dem, was später immer wieder von meinen Verwandten erzählt wurde - lagen in den Gängen Bretter, um es einfacher zu machen, sich auf dem nassen Grund zu bewegen. Mäuse liefen auch reichlich auf der Erde. Die Länge des Aufenthaltes im Untergrund hing von dem Entwarnungssignal ab. Oberlahr  und der Westerwald müssen wohl in einer Anflugsschneise der amerikanischen Bomber nach Köln gelegen haben .
 
Aber es gab auch einige spaßige  Erlebnisse während des Aufenthaltes in Oberlahr: Einmal  muss ich im Wohnwagen aus der Koje gefallen sein und auf dem Boden fest weitergeschlafen haben. Dann war da das Zusammenleben mit meiner Urgroßmutter, welche einmal anstelle Salz  in den mühsam gekochten Eintopf Waschsoda zum Würzen streute. Hin und wieder stand sie vor dem Haus, wenn die Leuchtbomben fielen und sagte:
" Ist das nicht ein schönes Feuerwerk!"
 
Zu essen gab es manchmal Taubnesseln. Diese hatten so geschmeckt wie Mangold. Als unsere Befreier, die Amerikaner, durch den Westerwald und Oberlahr  marschierten, gab es Kaugummi für die Kleinen.  Die Soldaten machten es sich einfach beim Fischen, indem sie Handgranaten in die Wied geworfen haben, um die Fische  damit zu betäuben und an die Oberfläche zu bringen. 1945 kam die Zeit, in der wir  Nachricht von Verwandten in Köln bekamen, unseren Marsch anzutreten.
 
Es wurde beschlossen, dass meine Mutter und ihre Schwester mit  mir  und meiner ein Jahr jüngeren Kusine im Kinderwagen diese lange Wanderung antreten sollten. Urgroßmutter und andere Verwandte blieben noch zurück.
 
Während der Wanderung hatte sich uns noch ein junger Mann angeschlossen. Für uns zwei Kleinen im Kinderwagen muss es wohl langweilig gewesen sein. Deshalb wollte der junge Herr mich mit einem Buch zum Durchblättern erfreuen.  Ich  habe es stattdessen zerrissen, was wohl auch eine Freude war. Weiter auf dem Wege muss ich mich beschwert haben: "Mutti, ich bin ganz nass!" Es wurde dann auf meine Kusine geschaut. Wieweit wir es an einem Tag geschafft haben, ist mir nicht mehr klar. Andere Eindrücke, welche sich eingeprägt haben, waren der Übergang einer zerbombten Brücke, es könnte in Hennef gewesen sein. Wir mussten unseren Weg auf der instand gebliebenen Oberfläche machen und viele große Löcher vermeiden. Einmal haben wir in einer Schule  übernachtet: Die Fußdielen waren morsch - und wie sollte es anders erwarten zu sein - die Mäuse waren Meister. Mutter und Tante haben bestimmt die Angst vor diesem Ungeziefer verloren. Weiter ging es in Richtung Rösrath bis wir am Pohlstadtsweg in Bück ankamen. Von dort waren es nur 10 Minuten bis zur Denklinger Str. 2.
 

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