stephan lochner  


zwischen 1400 und 1410 erblickte in meersburg am bodensee einer der größten maler des mittelalters das licht der welt, nämlich stephan lochner. dieser künstler entdeckte schon bald sein herz für köln, wo er seine bedeutsamsten und bis heute hervorragend erhaltenen werke schuf. sein hang zur marienverehrung, ja überhöhung, spiegelt sich in fast all seinen gemälden wieder.

die 2010 auf der burg meersburg angebrachte gedenktafel zu ehren stephan lochners

eines seiner bekanntesten bilder ist wohl "der altar der stadtpatrone", auch "die anbetung der heiligen drei könige" genannt. es handelt sich um ein triptychon, also um einen flügelaltar, welcher heute im kölner dom zu bewundern ist. warum dieses bild gleich unter zwei verschiedenen bezeichnungen bekannt ist, kann man den detailansichten und den anmerkungen weiter unten entnehmen.      

der altar der stadtpatrone

die mitteltafel mit den heiligen drei königen hat die maße 285 x 260 cm. der linke flügel ist 241 x 260 cm groß und zeigt die heilige ursula mit einigen ihrer 11.000 jungfrauen und auf dem ebenso großen rechten flügel erkennt der aufmerksame betrachter den heiligen gereon in ritterrüstung und mit kreuzfahne, der in köln als schutzheiliger der soldaten und menschen mit kopfschmerzen verehrt wird. sowohl die heiligen drei könige, die heilige ursula als auch der heilige gereon sind patrone unserer stadt und allen ist bei uns in colonia mindestens eine eigene kirche gewidmet.   

      


ein weiteres lochner-triptychon aus der sogenannten kölner malerschule ist "das jüngste gericht", dessen mitteltafel heutzutage im wallraf-richartz-museum ihre neue heimat gefunden hat. wie auf dieser mittleren tafel des altarbildes unschwer zu erkennen ist, ziehen die 11.000 jungfrauen der heiligen ursula ins himmelreich ein und werden natürlich vom hohen strafgericht verschont, so dass sie nicht wie all die ungerechten im fegefeuer verweilen oder gar wie unsereiner in der hölle schmoren müssen. 

das jüngste gericht


lochners wohl prächtigstes gemälde ist jedoch die "madonna im rosenhag". dieses nur 51 x 40 cm große bild wird oft auch als "die mutter gottes in der rosenlaube" bezeichnet und ist ebenfalls im kölner wallraf-richartz-museum zu besichtigen. es weist alle merkmale der mariensymbolik wie zum bespiel das äpfelcheln in der hand des jesuskindes, die rosen sowie die taube ganz oben zwischen den händen von gott vater auf. der farbstoff für den ultramarinblauen marienmantel wurde aus lapislazuli hergestellt, ein halbedelstein, der damals aller wahrscheinlichkeit nach nur in afghanistan gewonnen wurde. sündhaft teuer war sicher auch das blattgold, welches den gesamten hintergrund bedeckt. so genügt bereits der schein einer kerze, um das werk in vollem glanz erstrahlen zu lassen. der schriftsteller navid kermani bezeichnet in seinem buch "ungläubiges staunen" dieses prunkstück mittelalterlicher kunst als "das herrlichste bild, das je in köln gemalt worden ist".  

madonna im rosenhag (spätwerk um 1448)


zum schluss noch eine gleichermaßen kuriose wie peinliche, aber wahre begebenheit, die sich im april anno 2007 zutrug: 556 jahre nach lochners tod erhielt der damalige kölner domprobst norbert feldhoff einen brief von der deutschen post, welche den verblichenen als werbeträger für ihre briefmarken gewinnen wollte. und um unseren vermeintlich noch lebenden meister stephan gnädig zu stimmen, stellte die post unter ihrem früheren vorstandsvorsitzenden klaus zumwinkel dem längst verstorbenen maler auch gleich eine spende für das zu dieser zeit neue fenster von gerhard richter im kölner dom in aussicht. unser mit allen weihwassern gewaschene norbert feldhoff schlug daraufhin unter hinweis auf das ableben des malers "im namen stephan lochners" eine spende in höhe von 1111,11 euro vor. und die deutsche post fiel prompt darauf herein. - ach wie schön, dass es auch heute noch menschen und behörden gibt, die ohne jeden eigennutz geld für edle zwecke spenden!

        

norbert feldhoff mit dem verspätet eingetroffenen brief an stephan lochner

es bleibt zu hoffen, dass die deutsche post schon bald einen brief aus kamerun bekommt! denn dann wüsste sie endlich, wie man große meister ehrt und zudem noch vorzeigbare briefmarken herstellt, nämlich so:

briefmarke der republik kamerun zu ehren stephan lochners - weihnachten 1972


stephan lochner verstarb anno 1451 in seiner wahlheimatstadt köln. einigen quellen zufolge fiel er der pest zum opfer. wer ihn besuchen möchte, möge sich zum turm des rathauses begeben. denn dort sieht man unseren meister stephan in stein gemeißelt im 1. obergeschoss: 


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