wie unser tünnes das kölner stapelrecht unterlief


heute möchte euch unser tünnes vom stapelrecht unserer stadt erzählen, welches im mittelalter nur wenigen und ganz besonders priviligierten handelsstädten verliehen wurde. demnach hatte köln das zweifelhafte vorrecht, handelsgüter, welche sich auf der durchreise befanden, für drei tage anzuhalten und in sogenannten "stapelhäusern" zu lagern, wobei unseren stolzen kölner bürgern ein vorkaufsrecht auf diese waren eingeräumt wurde, welche ja eigentlich zum weitertransport bestimmt waren. dies war natürlich all den rheinschiffern zwischen basel und rotterdam ein dorn im auge! -  aber es war eine der sternstunden unseres tünnes ... 

wir schreiben das jahr 1259. vor gut zehn jahren hatten die kölner mit dem bau des gotischen doms begonnen, der übrigens nach seiner vollendung anno 1880 mit einer höhe von 157,83 metern lange zeit das höchste bauwerk der erde war. knapp 30 jahre später sollte im jahre 1288 die blutige schlacht von worringen nördlich der stadt den kölner bürgern die freiheit vom ungeliebten erzbischof bringen, aber das konnte ich anno 1259 ja noch nicht wissen. jedenfalls war das damals schon eine sehr turbulente zeit hier in köln am rhein.

        

wir schreiben die zeit zwischen der grundsteinlegung des gotischen doms und der schlacht bei worringen.

mich, euren tünnes, werden die meisten wohl schon längst kennen. gebürtig bin ich in der imaginären ortschaft knollendorf irgendwo südwestlich von köln. mein geburtsdatum steht nicht einmal annähernd fest. manche sagen, ich sei immer schon auf bzw. in der welt der kölner gewesen. auf jeden fall erinnere ich mich noch genau an jenen tag des jahres 1259, als am rheinufer unweit der deutzer brücke und im schatten des doms die ersten stapelhäuser an der frankenwerft und am fischmarkt errichtet wurden.

   das stapelhaus an der          frankenwerft heute

von stund` an wurden alle schiffe mit erzeugnissen, die ein händler z.b. über den rhein von mainz nach düsseldorf versenden wollte, für drei tage in köln angehalten, das handelsgut im stapelhaus gelagert und zunächst einmal den kölner bürgern zum verkauf angeboten. zudem mussten die händler für die weiterfahrt auf dem rhein hohe wegezölle bezahlen, aber das war ja im mittelalter ohnehin üblich, wenn man von der hanse, der vorläuferin der europäischen gemeinschaft einmal absieht. auf diese weise erhielten die kölner bürger nun immer als erste die kostbarsten artikel wie z.b. seide und gewürze aus indien, computer aus taiwan und sogar senf aus düsseldorf!

während durch diese einnahmequelle als auch durch den reliquienhandel und dem damit verbundenen tourismus der stadtsäckel im rathaus reich gefüllt war, ging es mir und meinem freund schäl wie den meisten menschen auf den feldern von knollendorf finanziell ziemlich schlecht, so dass wir uns meistens vom harz der bäume oder gar von hartz IV ernähren mussten. 

hier mein freund schäl  und    ich auf besuch in colonia

eines tages konnten wir beide sogar die miete für unsere gemeinsame einzimmer-wohnung in knollendorf nicht mehr bezahlen und haben uns dann notgedrungen eine kleine holzhütte in zündorf südlich von köln direkt am rheinufer gebaut. immerhin lebten wir als stolze eigenheimbesitzer jetzt mietfrei und konnten uns endlich mal wieder das eine oder andere kölsch leisten.

zur arbeitslosigkeit verdammt, hingen wir viele jahrzehnte lang meist den ganzen tag im fenster und haben voller langeweile, aber auch voller sehnsucht den handelsschiffen auf dem rhein zugeschaut. manchmal hatten wir auch besuch, meistens von einem freund namens giselmut, der es stets sehr gut mit uns meinte. es muss wohl  viele jahre später gewesen sein, als giselmut eines sonnigen tages wieder einmal bei uns aufkreuzte.

                 

nach zwei kölsch und einem kritischen blick auf den rhein brachte er mich auf die beste idee meines lebens ... und schon wenige tage später ging es los: ich beschaffte mir bei den behörden einen reisegewerbeschein und gründete die firma "tünnes transportumleitung zündorf-mülheim gmbh".  die geschäftsidee war ganz einfach: schäl und ich fingen die von süden kommenden handelsschiffe, welche ihre fracht über köln hinaus nach düsseldorf, wesel oder rotterdam bringen wollten, spät abends im schutz der dunkelheit am rheinufer in zündorf ab, packten die ladung nächtens auf pferdekutschen, brachten sie auf schleichwegen durch das bergische land nach mülheim nördlich von köln, wo wir sie dann wieder zur weiterfahrt nach norden auf die dort wartenden leeren schiffe verluden. auf der karte seht ihr, wie einfach und genial zugleich diese idee war.  

mit diesem völlig legalen trick blieb den durchreisenden geschäftsleuten die stapelpflicht sowie auch die maut erspart. natürlich konnte ich diese leistung nicht ganz kostenlos erbringen. nachdem 1832 das kölner stapelrecht leider aufgehoben wurde, versiegte meine einnahmequelle. ich war wieder arbeitslos und zog zurück zu meiner sippschaft in knollendorf. immerhin kann ich mir heutzutage eine zweitwohnung mitten in köln leisten. es ist wohl die schönste wohnung in ganz köln überhaupt, - nämlich ein ehrenplatz im herzen aller kölner!

        euer       tünnes        


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